Journalist & Autor

Basler Zeitung: Zeit für eine nüchterne Bilanz

Die Schweizer interessieren sich brennend dafür, wie es mit der deutschen Energiewende weitergeht. Eine Antwort liefert mein Beitrag “Zeit für eine nüchterne Bilanz” in der Basler Zeitung vom 12. Dezember auf Seite 3. Fazit: Die Energiewende kostet Milliarden, gefährdet das gesamte Stromversorgungssystem – und spart nicht ein Gramm Kohlendioxid.

 

Wenn der Klimaschutz-Zombie witzig einfliegt

Wenn der Klimaschutz-Zombie witzig einfliegt

Zu meinen Lieblingsworten gehören einpflegen, einfliegen und zeitnah, abgesehen von ewigschönen Creativperlen aus den frühen Nullerjahren wie umfairteilen und fairkehr. Ab und zu erlebe ich Menschen in Fahrstühlen, die so reden. Zu dieser Community, Crowd, ja Posse gehört auch Michael Adler, Chef der Werbeagentur fairkehr und Mitschöpfer des berühmten Licht-Aus-Beim-Rein-Raus-Video, das neuerdings im Kino, im Internet wie auch im Auftrag von Barbara Hendricks für Lichtaus, quatsch, Stoßlüftung, nein, abermals quatsch, Klimaschutz wirbt. Millionen von Zuschauern, schrieb schon Kollege Bernd Zeller, dürften sich beim Anblick der Szene gedacht haben: Ach, so sieht unsere Umweltministerin aus.

Wer das Interview mit Adler auf www.energieheld.de liest, der versteht in fünf Minuten mehr über Energiewendelobbyismus als beim Studium ganzer Geheimpapierstapel. Das Wichtigste schon mal in Kürze: Naturwissenschaftliche Kenntnisse schaden nur, wenn man Leute zum Klimaschutzanhänger bekehrt: „Ich mache Klimaschutz nicht, weil ich ihn verstehe, sondern weil ich ihn will.“  Es geht überhaupt eher darum, was man und frau fühlen: „Eisschollen in der Arktis sind schlimm“ (Adler). Ganz wichtig: Das Thema muss „witzig eingeflogen“ werden. Sex und Zombies helfen ungemein. Dann kommt nämlich die Target group aus der „Nachhaltigkeitsszene“ schon von vorn herein und auch hinterher nicht auf die Idee, nach dem Sinn des Klimaschutzes zu fragen. Und schon gar nicht danach, wem die Sache nützt.

Die nachhaltige Video-Kampagne der Bundesumweltministerin kostete übrigens 1,5 Millionen Euro.

 

Bildnachweis: Screenshot Youtube, Zusammen ist es Klimaschutz

EEG-Unterstützer verzweifelt gesucht

EEG-Unterstützer verzweifelt gesucht

Ich weiß, mit Prognosen sollte sich jeder vorsehen. Erst recht in eigener Sache. Als mir  der Pressclub Wiesbaden eine Einladung zum Streitgespräch über die Energiewende schickte, meinte ich, das Publikum auf meinem Blog schon mal einstimmen zu können. Eins würden die Gäste dort nicht zu hören bekommen, nämlich den Standardsatz aller Podiumsgespräche: ich bin ja ganz bei Ihnen. Meine Voraussage erwies sich allerdings als, nun ja, Pustekuchen.

Und das, obwohl mich der Presseclub beziehungsweise mein hochehrwürdiger ZDF-Kollege Reinhard Schlieker ausdrücklich als Autor des Buches „Der grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ gecastet hatte. Ambivalent kann man den Titel nicht gerade nennen. Mein Gegenspieler Jens Strüker, Professor für Energiemanagement an der Fresenius-Universität, würde das Gegenteil behaupten respektive beweisen. Also drehte ich gleich am Anfang alle rhetorischen Geschütztürme in seine Richtung: Erstens, in Norddeutschland wird schon jetzt an vielen Tagen weit mehr Grünstrom erzeugt als verbraucht; da sowohl Stromtrassen als auch Speicher fehlen, muss er oft massenhaft in Ausland verschenkt oder teuer entsorgt werden. Zweitens bestehen die windschwachen Südländer wie Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg trotz des Stromüberflusses im Norden darauf, ihre eigenen Windrädchen vorzugsweise in Waldgebiete zu stellen, und das, obwohl mittlerweile zwei Drittel der Mühlen im Binnenland rote Zahlen produzieren. Drittens decken die regenerativen Energien an sonnigen und windigen Junitagen schon den gesamten Strombedarf Deutschlands, bei stilltrübem Wetter wie im Dezember 2013 liefern sie allerdings kaum fünf Prozent der Elektroenergie  – ein Umstand, an dem auch jedes weitere Windrad nichts ändert. Folglich braucht Deutschland neben dem Ökostromsektor auch in Zukunft fast seinen gesamten konventionellen Kraftwerkspark, der selbst mehr und mehr zum Subventionsfall wird, weil er nur noch als Lückenspringer ans Netz darf. Die gesamte Operation Energiewende – Kosten bis heute: 400 Milliarden Euro – spart nicht ein Gramm Kohlendioxid, weil Windräder und Solarzellen keine Kilowattstunde berechenbare Grundlast ins Netz schicken. Was mich zu meinem Ceterum censeo führte: das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, muss weg – ein Gesetz, das die gewaltigste ökonomische Fehlentwicklung nach dem zweiten Weltkrieg befördert und außer ein paar  tausend Subventionsrittern keinem nützt.

Dann war Professor Strüker am Zug, und nach ein paar Minuten wurde mir klar, dass ich in Wiesbaden keine Chance zu einem Meinungskampf bekommen würde. Mein Gegenspieler sagte nämlich: Sehe ich im Prinzip genau so. In der Analyse seien wir uns sehr einig. Er finde auch, das EEG könne weg. Mit anderen Worten: ich bin ganz bei Ihnen.

Puhh. Eine rhetorische Breitseite, nur um zu sehen: Bei dem anvisierten Karthago handelt es sich um keine Festung, sondern um eine offene Stadt, über der scheinbar längst die weiße Fahne flattert.

Deshalb frage ich mit diesen Zeilen einmal in die ganz große Runde: Wer verteidigt eigentlich noch das EEG? Schon 2013 empfahl die Monopolkommission, ein Beratungsgremium führender Wirtschaftswissenschaftler, das EEG wegen gravierender Fehlsteuerungen zu streichen. Als nächstes empfahl eine von der Bundesregierung selbst eingesetzte Expertenkommission, das EEG zu streichen, weil es praktisch nichts zur technischen Innovation beitrage. Im Herbst 2014 empfahlen die so genannten Wirtschaftsweisen der Bundesregierung wiederum, das EEG abzuschaffen. Vor wenigen Tagen erklärte Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel bei einem Auftritt in Stuttgart, bei der Energiewende „passt so gut wie nichts zusammen“. Er sagte dort praktisch das Gleiche wie ich, der kleine unmaßgebliche Buchautor, in Wiesbaden. Aber irgendwelche Unterstützer muss es doch geben, die sich für die milliardenverschlingende Umverteilungs- und Chaosmaschine in die Bresche werfen. Franz „die Sonne schickt keine Rechnung“ Alt? Claudia „die EEG-Umlage wird nicht über 3,59 Cent steigen“ Kemfert? Jürgen „Eiskugel“ Trittin? Anyone? Wenn sie noch zu den EEG-Anhängern zählen, dann meiden sie jedenfalls seit einiger Zeit die Arenen des öffentlichen Meinungskampfes.

Praktisch alle Wirtschaftsexperten rammen das EEG in den Boden, der zuständige Minister hält es für ein missratenes Monstrum (siehe Stuttgarter Nachrichten). Aber trotzdem läuft es weiter und weiter, zerlegt die Energiewirtschaft und schluckt jährlich über 20 Milliarden. Karthago steht ohne Verteidiger da, bleibt aber rätselhafterweise Großmacht.

Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, jetzt eine Massenpetition gegen das EEG zu starten.

 
Hier das Link zum Bericht des Wiesbadener Kuriers über die Diskussion.
Foto: Presseclub

Streitgespräch mit Prof. Strücker zum Thema Energiewende

Streitgespräch mit Prof. Strücker zum Thema Energiewende

In der 8. Medienlounge in Wiesbaden am 25. November wird das Publikum einen Satz garantiert nicht hören: “Ich bin ganz bei Ihnen”. Über die Frage “kann die Energiewende überhaupt gelingen?” streite ich mit  Professor Jens Strüker von der Hochschule Fresenius.

Denn die Antwort lautet: die 2011 auf dem politischen Reißbrett entworfene Energiewende ist schon gescheitert.

Hier geht’s zur Webseite des Presseclub Wiesbaden

Hier ist das Link zum Programm.

 

Ein paar Eiskugeln vor. Ein paar Kleckse zurück.

Ein paar Eiskugeln vor. Ein paar Kleckse zurück.

Warum die Stromkunden wenig davon haben, wenn die EEG-Umlage fällt

Am 15. Oktober geben die deutschen Netzbetreiber bekannt, wie viel Ökostrom-Umlage die Verbraucher ab Januar 2015 zahlen müssen. Dieses Mal deutet sich eine kleine Sensation an: die Umlage könnte womöglich erstmals seit dem Jahr 2000 minimal fallen – wahrscheinlich um 0,07 Cent pro Kilowattstunde, deren Preis für Haushaltskunden bei rund 28,50 Cent liegt. An der Ökostromreform Sigmar Gabriels liegt das nicht, denn die trat gerade erst im August in Kraft. Und es beweist auch nicht, wie der Grünen-Energiepolitiker Oliver Krischer behauptete, „dass grüne Energie immer günstiger wird“.  Der Begriff „günstig“ passt ohnehin schlecht für Energien, die im vergangenen Jahr – rein netto – rund 14 Milliarden Euro an Subventionen schluckten. Der Mini-Rückgang liegt in Wirklichkeit daran, dass die Stromkunden mit  der Ökostromumlage seit Kurzem auch ein Finanzpolster in der Kasse der Netzbetreiber aufbauen – also eine Art Vorschuss entrichten, von dem sie jetzt eine Kleinigkeit wiederbekommen. Zweitens wächst die Zahl der Windräder und Solaranlagen seit 2013 etwas langsamer als in der Vergangenheit. Außerdem wehte der Wind 2013 und im ersten Halbjahr 2014  zaghafter als im Schnitt der vergangenen Jahre, es entstand also  weniger subventionsbedürftiger Strom als prognostiziert. Steigende Netzgebühren und die kletternde Offshore-Umlage dürften übrigens den zarten Rückgang im Zehntelcent-Bereich schleunigst wieder kassieren.

Wer seine Stromrechnung mit älteren Unterlagen vergleicht, der kann die Mini-Senkung gut einordnen. Denn über die langfristige Entwicklung gab das statistische Bundesamt vor kurzem Auskunft: Seit dem Jahr 2000 stieg der Strompreis für Haushalte in Deutschland um 92 Prozent. Die Bundesbürger zahlen mittlerweile den zweithöchsten Tarif für Elektroenergie in Europa. Nur in Dänemark ist die Energie aus der Steckdose noch teurer. Fast zeitgleich mit der Berechnung des Statistikamtes forderte die Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen, die Energieversorger sollten ihre Preise senken. Spielraum gebe es genug. Der grüne Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter lieferte eine  passende Analyse, warum die Stromkosten für die Verbraucher trotz billiger Börsenstrompreise nicht sinken:  „Weil sich einige Konzerne die Taschen vollstopfen. Wir haben zu wenig Wettbewerb auf dem Strommarkt.“

Liegt der Preisgalopp tatsächlich nur an gierigen Energiekonzernen? Welches Geld wohin fließt, kann jeder nachrechnen, der sich den Strompreis ansieht. Denn der gleicht einer Schichttorte: ein Teilbetrag liegt auf dem nächsten. Eigentlich handelt es sich um drei große Schichten. Erstens die gesetzlichen Abgaben und Steuern. Sie machen etwas mehr als die Hälfte aus, zusammen 14, 42 Cent pro Kilowattstunde. Der dickste Brocken, 6,24 Cent, geht an die Betreiber der Ökostrom-Anlagen. Zum Vergleich: im Jahr 2000, als das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft trat, betrug die EEG-Umlage gerade 0,19 Cent pro Kilowattstunde, weniger als ein Dreißigstel des heutigen Betrages. Ein paar Jahre später gab Jürgen Trittin seine berühmte Prognose ab, die Grünstromförderung würde jede Familie nur ein Euro pro Monat kosten, „so viel wie eine Kugel Eis.“ Aber zurück den Kostenscheiben: 1,79 Cent zahlt jeder Kunde pro Kilowattstunde an Konzessionsabgabe, 0,126 Cent für die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung, 0,329 Cent für die Entlastung der Industrieunternehmen, die nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen, weitere 0,25 Cent, um die Verluste von technischen Pannen an Offshore-Windparks auszugleichen. Dann bedient sich noch der Staat mit 2,05 Cent Stromsteuer und 4,7 Cent Mehrwertsteuer. Da die Mehrwertsteuer auf alles gilt, auch auf die Ökostromumlage, verdient der Bundesfinanzminister bei jeder EEG-Umlagenerhöhung kräftig mit.

Weitere 20 Prozent des Gesamtpreises fließen als Netzgebühr für den Transport des Stroms. Auch die reichen die Energieversorger wie ein Inkassobüro nur weiter. Ihnen bleiben gerade 30 Prozent des Bruttopreises als eigentliche Einnahme übrig. Gegner der Stromversorger wenden ein, der Preis an der Leipziger Strombörse sei aber deutlich gefallen – und diesen Vorteil könnten die Unternehmen doch zur Kostendämpfung an ihre Kunden weiterreichen. Doch erstens bedeutet es für Endverbraucher gar keine gute Nachricht, wenn der Börsenstrompreis nach unten geht. Denn die Höhe der Ökostromumlage richtet sich nach der Differenz zwischen Börsenpreis und den festen Einspeisevergütungen für Betreiber von Windrädern, Solarpanels und Biogasanlagen. Fällt also der Börsenstrompreis, dann steigt die EEG-Umlage automatisch – und damit der Verbraucherpreis. Genau dieser Zusammenhang trug kräftig dazu bei, dass der  EEG-Grünstromaufschlag allein seit 2012 um 70 Prozent nach oben schoss.

Außerdem kaufen die Versorgungsunternehmen nicht ihren gesamten Strom an der Börse, um ihn weiterzuverkaufen – denn in dem Fall müssten sie ja ihre eigene Energie zurückkaufen. Sie stellen den Strom in vielen Fällen selbst her und liefern direkt an Kunden mit langfristigen Kontrakten. Leider immer öfter teurer als die Börse, wo die Grünstrom-Mengen die Preise drücken. Vor allem moderne Gaskraftwerke arbeiten schlicht zu teuer, um noch ihre Kosten zu decken. Der wirtschaftliche Druck trifft nicht nur Konzerne, sondern auch  Stadtwerke. „An vielen Tagen“, klagt etwa der Vorstandschef der Stadtwerke Erlangen Wolfgang Geus, „ist das Gas teurer als Strom, den wir damit produzieren.“ Die Aufforderung, seine Strompreise zu senken, dürfte er als absurden Witz empfinden.

Auch die großen Unternehmen am Markt stopfen sich nicht gerade die Taschen voll, wie Hofreiter meint. Das landeseigene baden-württembergische Unternehmen EnBW nahm 2014 eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro vor und bildete eine Verlustrückstellung von 300 Millionen Euro. Der Konkurrent RWE gab für 2013 einen Rekordverlust von 2,8 Milliarden Euro bekannt. Mitbewerber Eon verdient zwar noch etwas Geld, 2013 ging der Gewinn allerdings schon um 14 Prozent zurück, für 2014 kündigte der Vorstand ein abermaliges Schrumpfen an. Fast der gesamte konventionelle Kraftwerkspark in Deutschland erwirtschaftet Verluste, weil er nur noch als Lückenspringer ans Netz darf, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Allein EnBW möchte deshalb fünf seiner Kraftwerke stilllegen. Das Unternehmen darf nicht. Denn die Bundesnetzagentur stuft diese Anlagen als „systemrelevant“ ein, weil sie die Unzuverlässigkeit des Ökostroms ausbalancieren müssen. Der Energieversorger  muss also Verlust machen – gesetzlich garantiert.

 

(Dieser Text ist auch auf der Achse des Guten erschienen)

Ein Pappbaum für den Nordpol

Ein Pappbaum für den Nordpol

Erinnern Sie sich noch an Felix Finkbeiner? Der Junge aus Bayern, Jahrgang 1997, gründete 2007 die Bewegung „Plant für the Planet“, die Kinder auffordert, Bäume zu pflanzen, um die Klimakatastrophe zu stoppen. Mit 13 durfte Felix vor der UNO-Vollversammlung reden, und es spricht durchaus für den Jugendlichen, dass er seitdem neben Auftritten, Seminaren und Interviews auch noch Zeit fürs Gymnasium findet. Unermüdlich reiste er durch die Welt, um für Bäume als natürliche CO2-Speicher zu werben, und um sie selbst zu pflanzen – kürzlich sogar am Nordpol. „Der am Nordpol war natürlich aus Pappe“, erzählte Finkbeiner dem „Stern“.  Zwölf oder dreizehn Milliarden echte Bäume soll es dank der Finkbeiner-Bewegung für Klimagerechtigkeit weltweit geben. Genau zählt niemand mit.

Nun soll es hier nicht um Häme gegen einen kleinen Klimaaktivisten gehen, sondern um ein ernsthaftes Problem: Finkbeiners Bäumchen droht zumindest in Deutschland ein jähes Ende. In Rheinland-Pfalz will die grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke bis  2030 die mit Windkraft erzeugte Energie in ihrem Land verfünffachen.  Der Platz dafür soll in dem kleinen Land regelrecht freigeschlagen werden: Nämlich im Wald. Im Soonwald im Hunsrück rotieren schon Riesenräder, im mittleren Rheintal planen mehreren Gemeinden den nächsten Großwindpark – selbstverständlich, um das Weltklima zu retten. Die Landesumweltministerin zieht daraus schon einen weitreichenden Schluss: Bei Wald handelt es sich um einen Bewuchs, der Windrädern und damit der Weltrettung im Weg steht. In meinem Buch „Der Grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ heißt es:

„Im Landesnaturschutzgesetz von Rheinland-Pfalz nahm die rot-grüne Landesregierung 2013 eine einschneidende Veränderung vor: Werden Flächen gerodet, unterbleibt nach der Neufassung der Paragrafen in der Regel eine Ersatzaufforstung an anderer Stelle. Offizielle Begründung der grünen Umweltministerin Ulrike Höfken: Das Land Rheinland-Pfalz sei ohnehin zu waldreich, dafür fehle es an Grünland. Allerdings empfehlen und verplanen die geschmeidigen Regierungsrhetoriker auch genau dieses Grünland für Windkraftanlagen und Biogas-Pflanzen.“

Nicht anders  in Baden-Württemberg, wo bis 2020 1000 neue Windräder entstehen sollen, und zwar überwiegend im Wald. Der „Grüne Blackout“:

„Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller geht als erster Grünenpolitiker in die Geschichte ein, der den Kahlschlag von Wäldern zum Programm erhebt. Schon 2012 verkündete er in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“:

„Die neue Generation der Windräder ist 140 Meter hoch, die können sie auch in Gebieten aufstellen, die bislang für Windkraft kaum nutzbar waren.“

Wirtschaftswoche: Zum Beispiel?

Untersteller: „Im Wald. 30 Prozent des Waldes in Baden-Württemberg sind in Landesbesitz. Wir werden als Regierung einen eigenen Beitrag zur Energiewende leisten und Windparks in Waldgebieten fern von Wohnbebauung errichten. Erste Planungen und Gespräche mit der Forstverwaltung laufen.“

Auf den Höhenlagen des Schwarzwalds wehe der Wind besonders gut, so der Minister, deshalb müssten dort auch vergleichsweise die meisten Bäume weg. Die Natur, die Waldtieren, die Vögel, dort brüten – etliche davon theoretisch durch die Rote Liste geschützt – das alles gerät für die Anhänger der großen Transformation zur Fußnote, mit der sich ein Weltretter beim besten Willen nicht auch noch befassen kann.

Leider handelt es sich nicht um Fußnoten.  Sondern um gigantische Trampelspuren. Bis 2020 wünscht sich Untersteller 1000 neue Windräder in Baden-Württemberg, wozu auch immer – denn die Küstenländer produzieren jetzt schon riesige Windstromüberschüsse. Würden nur zehn Prozent dieser neuen Rotoren im Ländle im Wald entstehen, dann liefe das auf einen Kahlschlag von 800 000 bis einer Million Quadratmetern Wald hinaus.

Es könnte also geschehen, dass das eine oder andere Finkbeiner-Gehölz vor die Kettensäge kommt. Der Kahlschlag zugunsten von Windrädern scheint sich in Deutschland als Klimarettungskonzept gegen das Bäumepflanzen nun mal durchzusetzen. Obwohl die deutschen Kohlendioxid-Emissionen seit Jahren steigen und nicht sinken. Und zwei Drittel der Windräder in Rheinland-Pfalz weniger Strom liefern als prognostiziert, weil das südwestliche Land praktisch komplett in einer Schwachwindzone liegt. Die Rotoren, sie sich dort auf den Lichtungen drehen, beeinflussen das globale Klima ungefähr so stark wie ein Pappbaum am Nordpol.

Nur die Gewinne der Windradhersteller und Waldverpächter fallen nicht in die Kategorie des Symbolischen. Sie sind das einzige Echte im Klimageschäft.

(Dieser Beitrag erscheint in ähnlicher Form auch auf achgut.de. Hier finden Sie die Taschenbuchausgabe des “Grünen Blackout”)

 

Der Grüne Blackout nun als Taschenbuch!

Der Grüne Blackout - TaschenbuchMein Buch „Der grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ zeichnet in einer erweiterten Neuausgabe die Geschichte eines singulären Scheiterns gewissenmaßen in Echtzeit nach. Und es bilanziert die Schäden, in der Volkswirtschaft wie in der Natur. Das Buch zum Desaster gibt es seit dem 1. September endlich nicht nur als E-Book (bei Amazon oder direkt von meiner Seite), sondern bei Amazon auch als Taschenbuch mit 178 Seiten für 9,99 Euro. Das Taschenbuch besitzt einen unschlagbaren Vorteil: Man kann es lesen, und anschließend dem Politiker seiner Wahl ins Abgeordnetenbüro schicken.

Wenn niemand zuhört: Innenansichten über die Energiewende

Wenn niemand zuhört: Innenansichten über die Energiewende

Journalisten führen regelmäßig so genannte Gespräche „unter drei“. Der Code bedeutet: Was Politiker oder Chefs von Unternehmen und Organisationen dort sagen, darf nicht zitiert werden, auch nicht camoufliert. Also nicht einmal in der Form: „sagte ein Mitglied des Bundeskabinetts“. Wozu finden solche Gespräche dann überhaupt statt? Weil Amtsträger auch gern einmal aussprechen, was sie wirklich denken, was sie wiederum nur in einer geschützten Atmosphäre tun können, eben unter drei beziehungsweise unter vier Augen. Dem Gespräch wohnt also durchaus eine therapeutische Komponente inne. Die interessantesten, saftigsten und überraschendsten Äußerungen unter drei, die ich in den letzten zwei Jahren zu hören bekam, betrafen ausnahmslos die Energiewende. Natürlich würde ich sie liebend gern komplett zitieren. Das kann ich nicht, ohne den vertraulichen Modus zu verletzen.

catEinen kleinen Ausweg gibt es allerdings, gewissermaßen die Katzenklappe, durch die ein Journalist der Situation entschlüpfen kann, ohne zu viel preiszugeben. Und fast alle großen Medien, „Spiegel“, „Zeit“ et al. praktizieren sie irgendwann. Zu diesem Zweck verschleiern sie (und im Folgenden auch ich) die Identität der Zitatgeber bis zur Unkenntlichkeit. Nur an den Zitaten selbst ändert sich nichts. Es handelt sich also eher um eine soziologische Untersuchung zu der Frage, wie prominente und mächtige Zeitgenossen in Deutschland das Projekt Energiewende beurteilen, wenn keiner weiter zuhört.

1. Ein Vorsitzender einer großen, einflussreichen Organisation, der öfters sowohl mit Angela Merkel als auch mit Sigmar Gabriel und etlichen Abgeordneten spricht: „Die Parteien in Berlin unterscheiden sich bei der Energiewende nur durch die Grade ihres Irrsinns.“
2. Ein Unionspolitiker, der einmal zu den Wichtigen in der Partei gehörte: „Ich habe mit Angela Merkel oft über die Energiewende gestritten. Sie ist da stur bis zum ideologischen Starrsinn.“
3. Ein führender Unionspolitiker: „Mit der Energiewende ist es wie mit einem Fuhrwerk, das in eine Sackgasse fährt. Da braucht man nicht hinterherzulaufen, denn das kommt genau dort wieder heraus, wo es eingebogen ist. Von Unterhaltungswert ist nur das Wendemanöver.“
4. Ein Politiker, der sich mit Angela Merkels duzt: „Haben Sie einen Ofen? Ich meine, einen Ofen, in dem Sie richtig Holz verbrennen können? Nein? Ich habe einen Ofen, ein Grundstück, und Holzvorräte. Mir würde ein Blackout nichts ausmachen.“
5. Ein gewichtiger Sozialdemokrat in Angela Merkels Kabinett: „Die Energiewende steht kurz vor dem Aus. Die Wahrheit ist, dass wir auf fast allen Feldern die Komplexität der Energiewende unterschätzt haben. Für die meisten anderen Länder in Europa sind wir sowieso Bekloppte.“

Gut, in diesem Fall spricht nichts dagegen, den Urheber zu nennen: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Bei einem Besuch eines Kasseler Solarunternehmens rutschte ihm die Bemerkung heraus, und der Reporter einer lokalen Nachrichtenplattform sorgte für ihre Verbreitung. Gabriel dementierte sie nicht.
Mittlerweile muss er auch nicht mehr befürchten, mit seinem Urteil einsam dazustehen. Der Bundesrechnungshof veröffentlichte kürzlich einen regelrechten Verriss der Energiewende: Die Maßnahmen der Bundesregierung seien „unkoordiniert, uneinheitlich, redundant“. Den Ministerien bescheinigen die Rechnungsprüfer, dass ihnen „der umfassende Überblick über die von ihnen selbst eingeleiteten Maßnahmen fehlt“. Die Bundesnetzagentur wiederum weist darauf hin, dass der Bau von 1860 Kilometern neuer Stromtrassen, die eigentlich bis 2015 den Windstrom in den Süden transportieren sollten, gelinde hinterherhinkt. Bis heute existieren davon gerade knapp 300 Kilometer. Niemand braucht prognostische Fähigkeiten, um vorauszusehen: Auch bis 2020 steht das Leitungsnetz noch nicht, das eigentlich schon in einem halben Jahr gebraucht würde.
Der Plan wiederum, den in diesen Mengen weder benötigten noch transportierbaren Ökostromüberschuss zu speichern, zerbröselt unter den Augen der Bundesregierung. Ein Gutachten in Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersuchte vor kurzem, ob sich unter den Bedingungen der Energiewende der Bau von Pumpspeicherwerken noch lohnt. Die klare Antwort: Nein. „Die ermittelten Deckungsbeiträge werden nicht zur Refinanzierung von Neuinvestitionen in Pumpspeicherwerke ausreichen,“ heißt es in dem Papier. Andere Speichertechniken wie synthetisches Methan oder Riesenbatterien befinden sich ohnehin noch im Versuchsstadium.
Was bedeutet es eigentlich, dass fast die gesamte wirtschaftliche und politische Elite weiß, dass sich das teuerste Projekt der deutschen Nachkriegsgeschichte zu einer fulminanten Katastrophe entwickelt, dass ihre Mitglieder aber gleichzeitig glauben, sie dürften die Erkenntnis nicht laut aussprechen? Normalerweise scheue ich den Gebrauch historischer Parallelen. Aber hier passt sie möglicherweise doch ins Bild. Ich hatte mich als Journalist in den vergangenen Jahren immer wieder mit ehemaligen DDR-Funktionären unterhalten. Darunter gab es durchaus kluge, reflektierte Leute. Sie versicherten mir ausnahmslos, dass sie den Zusammenbruch ihres Staates schon lange vor 1989 vorausgesehen hatten. Auf meine Frage, warum sie dann weiter mitgemacht hätten, zuckten sie mit den Schultern. Sie sagten, sie verstünden das mittlerweile selbst nicht mehr.

Mein Buch „Der grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ zeichnet in einer erweiterten Neuausgabe die Geschichte eines singulären Scheiterns gewissenmaßen in Echtzeit nach. Und es bilanziert die Schäden, in der Volkswirtschaft wie in der Natur. Das Buch zum Desaster gibt es seit dem 1. September endlich nicht nur als E-Book (bei Amazon oder direkt von meiner Seite), sondern bei Amazon auch als Taschenbuch mit 178 Seiten für 9,99 Euro. Das Taschenbuch besitzt einen unschlagbaren Vorteil: Man kann es lesen, und anschließend dem Politiker seiner Wahl ins Abgeordnetenbüro schicken.

Die Deutschen müssen verrückt sein

Der holländische Ökonom, Klimawissenschaftler und ehemalige IPCC-Autor Richard Tol in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Ausgabe vom 17.08.2014) :

“Für viele ist der Klimawandel zu einer Art Ersatzreligion geworden. Die Texte der Umweltbewegungen lesen sich wie religiöse Schriften, in denen Emissionsreduktionen ein Ausweis der Glaubensstärke sind…In Deutschland wird das vor allem durch die Prediger des Potsdam-Klimainstitutes betrieben…Die (deutsche) Energiewende ist ein gewaltiger Fehler. Die Unternehmen und Haushalte müssen hohe Energierechnungen begleichen, die Emissionen (von CO2 steigen trotzdem…Ich kennen internationale Wissenschaftler, die sagen, die Deutschen müssen verrückt geworden sein…Deutschland hat mit so hohen Fördersummen für Windenergie und Photovoltaik begonnen, dass es den gesamten Welmarkt durcheinander gebracht hat. Ohne diese exzessive Förderung wären Sonnenpanele eher auf portugiesischen oder spanischen Dächern gelandet und hätten mehr Sonnenertrag gebracht. Die Deutschen haben mit aller Macht eine Technik auf den Markt gebracht, die noch nicht reif ist…Deutschland hätte das ganze schöne Geld lieber für etwas Sinnvolles ausgeben sollen.”

Das klingt mehr oder weniger wie die Kurzfassung meines Buchs “Der grüne Blackout”. Die interessante Frage lautet: Wann findet sich in Deutschland ein Wissenschaftler vom Range Tols, der dasselbe feststellt? Richard Tol besitzt allerdings gegenüber vielen Klima- und Politikwissenschafts-Kollegen einen großen Vorteil – nämlich den, dass er sich als Ökonom auch für Fragen der Effzienz interessiert.

Hier, für interessierte, Links zu Richard Tols Blog und Twitter.

 

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