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Stuss mit lustig: Torsten Albig erklärt die Energiewende

Stuss mit lustig: Torsten Albig erklärt die Energiewende

Seit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig Angela Merkel zur gemeinsamen Kanzlerkandidatin von SPD und Union ausrief, genießt der Sozialdemokrat aus dem Norden einige Bekanntheit. Kürzlich erklärte der Regierungschef im „Spiegel“* die deutsche Energiewende. Er versuchte also, genau den großen Plan vorlegen, um den sich Angela Merkel bisher drückt. Wer Albigs Antworten liest, kommt zu dem Schluss: Möglicherweise überlässt die Kanzlerin Details aus guten Gründen ihren Sozialdemokraten. Denn als euphorischer Energiewendebefürworter kommt man zwangsläufig argumentativ ins Stolpern, sobald es um Zahlen und Physik geht.

Albig beginnt seine Darlegung mit einer düsteren, fast schon enigmatischen Schelte:
„Es ist typisch deutsch, dass wir wegen eineinhalb Cent mehr für erneuerbare Energien das ganze Projekt in Frage stellen.“

Leider lässt er offen, worauf sich die „eineinhalb Cent“ beziehen. Jürgen Trittins Versprechen kann er nicht meinen, eine Familie müsste für Grünenergie den Gegenwert einer Kugel Eis im Monat bezahlen, also etwa einen Euro. Die Familieneisrechnung liegt heute bei 240 und nicht bei 12 Euro im Jahr. Vom Energiewendejahr 2011 bis 2015 stieg die EEG-Umlage von 3,53 auf 6,17 Cent pro Kilowattstunde, zu zahlen von allen Stromverbrauchern mit Ausnahme der energieintensiven Industrie. Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 zahlten die Verbraucher entweder direkt oder durch feste Verpflichtungen für die Zukunft mehr als 400 Milliarden Euro Subventionen für Windparks, Solardächer und Biogastanks. Zu welchem Endzweck, das macht Albig deutlich:

„Die deutsche Volkswirtschaft stemmt gerade eine heroische Aufgabe, nämlich aus Kernkraft und Kohle auszusteigen, ohne die Industriegesellschaft aufzugeben. Und wir zeigen, wie das geht.“

Aus Kernkraft und Kohle auszusteigen wäre in der Tat ein heroisches Unterfangen. Selbst im Energiewunderland Deutschland fließt nach wie vor 97 Prozent der Energie aus fossilen und nuklearen Quellen. Strom macht ungefähr 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Aber selbst da stammten 2014 immer noch 43,2 Prozent der Elektrizität aus der Kohleverstromung und 15,8 Prozent aus Kernkraftwerken. Macht zusammen mit Gas immer noch gut 75 Prozent.

Ein paar Zeilen später wird deutlich, wie Albig die große Energietransformation kalkuliert – nämlich so ähnlich wie die eineinhalb Cent mehr:

„In Schleswig-Holstein haben in der Vergangenheit drei Atomkraftwerke jährlich knapp 30 Terrawattstunden Strom produziert. Rund 6000 Windwühlen werden bis 2020 die gleiche Menge Strom liefern. Grünen Strom, der weder unseren Planeten verstrahlt noch das Klima kippen lässt!“

Abgesehen davon, dass die Atomkraftwerke im Norden und anderswo weder den Planeten verstrahlt haben noch das Klima – also die Wetterdaten der letzten 30 Jahre – umkippen konnten, abgesehen davon verwechselt Albig wie fast alle Politiker die installierte Leistung von Windparks mit der produzierten Strommenge. Das ist ungefähr so, als würde jemand von der Motorleistung eines BMW auf die technische Höchstgeschwindigkeit schließen und danach die Fahrzeit von Kiel nach Berlin berechnen. An sehr guten Küstenstandorten kommen Windräder auf etwa 4000 Volllaststunden. Das entspricht einer Jahresauslastung von 46 Prozent. Der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn überschlug einmal grob, welche Zahl an Windräder mit drei Megawatt Leistung nötig wäre, um rein rechnerisch – das Problem der fehlenden Stromspeicher einmal ignoriert – so viel Strom zu liefern wie ein Atomkraftwerk. Das Ergebnis: 6 800 Rotoren müssten aufgestellt werden, um einen einzigen Kraftwerksblock mit einem Gigawatt Kapazität zu kompensieren.

Auch ein bisschen Kritik an der Energiewende bringt Albig an, damit sein Ökoenergielob nicht ganz so werblich ausfällt:
„Heute wissen wir, dass wir den erneuerbaren Energien auch mit weniger Geld zum Durchbruch verholfen hätten. Wir sollten die Fehler, die wir gemacht haben, nicht wiederholen; aber wir können sie leider auch nicht rückwirkend beseitigen.“

Ein paar Milliarden weniger hätten auch gereicht? Den subventionsfinanzierten Zweitporsche des Landverpächters hätte es bei näherer Betrachtung gar nicht gebraucht? Bei jeder kleiner Anpassung der Vergütungssätze in den letzten 15 Jahren stimmte die Grünstromlobby zuverlässig ein orchestriertes Wutgeheul an: Da wurde „die Energiewende abgewürgt“, ein paar Cent weniger Subventionen bedeuteten „Kürzungsorgien“, den Untergang des letzten Eisbären und selbstverständlich Verrat an unseren Kindern, von denen wir die Welt nur geleast haben. Und immer mittemang im Hungermarsch der Sonnen- und Windinvestoren: Politiker der Grünen und der SPD, fest untergehakt mit Greenpeace und Grünstromverbänden.

Nein, rückgängig machen kann Torsten Albig die große Umverteilung der Vergangenheit nicht. Tausendmal schade! Aber er könnte wenigsten jetzt für die Abschaffung der dreistesten Wohltaten für die Grünbarone werben. Warum müssen Stromkunden beispielsweise über die „Offshore-Haftungsumlage“ zwangsweise einspringen, wenn die Projekte auf hoher See nicht laufen wie geplant? In keiner anderen Branche gibt es eine derartige Gewinngarantie bei gleichzeitigem Ausschluss jedes wirtschaftlichen Risikos.  Ganz ähnlich läuft es für Windmüller an Land: Passt der Strom nicht mehr ins überlastete Netz (was durch den Albig und Genossen vorangetriebenen Ausbau immer öfter geschieht), dann muss die theoretisch lieferbare Energie trotzdem zum subventionierten Preis abgenommen und von allen Stromnutzern bezahlt werden. Dieser Phantomstrom nennt sich „Ausfallarbeit“. Für die Nichtenergie zahlten die Deutschen 2014 erstmals über 100 Millionen Euro.

In diesem Sommer fahren die konventionellen Kraftwerke zudem besonders hektisch nach unten, weil sie die Solarstromflut ins Netz lassen müssen, die Vorrang genießt – und sie müssen nach Sonnenuntergang ebenso schnell wieder hochgejagt werden. Nach Angaben der vier Netzbetreiber dürfte dieser so genannte Redispatch, der nur durch den grünen Zufallsstrom nötig wird, etwa eine Milliarde Euro kosten. Darüber, wenigstens die Verbraucher nicht mehr für den Phantomstrom aus Windmühlen abzukassieren und Grünstromproduzenten an den von ihnen verursachten Kosten zu beteiligen, verliert Albig kein Wort. Der „Spiegel“ fragt auch nicht nach.
Müssten Offshore-Windfirmen ihr Risiko selbst tragen, dürften Windmüller an Land nur produzierten Strom in Rechnung stellen und müssten sie sich an Folgekosten beteiligen, dann brächen allerdings massenhaft Kalkulationen zusammen – trotz EEG-Subventionen von gut 22 Milliarden Euro im Jahr.

Möglicherweise stellt Albig ja im Jahr 2020 fest: Hätte man auch günstiger haben können. Aber leider – im Nachhinein kann man nichts mehr ändern. Oder, um es mit Albig zu sagen: „Ja, wenn man aus dem Rathaus kommt, ist man immer schlauer.“

*33/2015

Mehr über die Energiewende und ihre Kosten in:

Alexander Wendt „Der grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ 170 Seiten, E-Book 3,99 Euro, Taschenbuch 9,90 Euro, http://www.alexander-wendt.com

 

Woran Deutschlands großer Sprung nach vorn scheitert

Welche Speicher bräuchte Energiewende-Deutschland eigentlich, wenn es – wie regierungsamtlich vorgesehen – die Grünenergiequote auf 80 und irgendwann auf 100 Prozent schrauben will? Hans-Werner Sinn von ifo-Institut hat dazu ein wenig gerechnet. Hier die wichtigsten Ergebnisse: Das Land bräuchte entweder 500 neue Pumpspeicherkraftwerke (deren Betrieb als strategische Reserven dann auch dauerhaft subventioniert werden müsste). Oder es müssten, da es ja auch die brillante Idee gibt, Elektroautobatterien als Stromspeicher einzusetzen, 159 Millionen BMW i3 auf die Straße. Daraus könnte sich schon ein gewisses Parkplatzproblem ergeben.

Umwandlung von Strom in synthetisches Methan und Rückverstromung? Funktioniert, würde laut Sinn wegen des geringen Wirkungsgrades aber netto 240 Euro pro Megawattstunde kosten. Das Resultat liegt übrigens sehr nah an einer internen Dena-Berechnung, die ich kenne: Dort kam man auf 230 Euro. Zusammen mit Steuern, Umlagen und Abgaben wäre der Strom aus der Konserve dann doppelt so teuer wie Haushaltsstrom heute.

Alles bestätigt die griffige Formel: Ohne Stromspeicher funktioniert die Energiewende nicht. Mit Speichern wird sie endgültig unbezahlbar.

Zum Nachlesen: Artikel auf Finanztreff.de

 

 

Mittelerde mit Förderknete

Mittelerde mit Förderknete

Immer wenn es schlecht steht um die Energiewendestimmung, fällt der Blick von Redakteuren auf das Ökomusterdorf Jühnde bei Göttingen. Das 800-Seelen-Nest erinnert ein bisschen an die sozialistischen Musterdörfer, die in den Fünfzigern und Sechzigern östlich der Elbe entstanden, um die Endstufe des Fortschritts schon einmal auf kleinstem Raum vorzuführen. In dem vorbildlichen niedersächsischen Flecken produziert eine Biogasanlage Strom und Warmwasser, Windräder und Solarpanels steuern noch ein paar Megawattstunden bei. Selbstredend existieren schon ganze Festmeter an euphorischen Berichten über das Dorf, das die Energiewende schaffte, und viele Sendestunden des öffentlich-rechtlichen Funks lagern in den Archiven. Aber die gute Botschaft, dachten sich die Redakteure des „Stern“, kann gar nicht oft genug unters skeptische Volk gebracht werden. Erst recht, seit wegen der Energiewende hochmoderne Gaskraftwerke stillstehen, weil sie die Kosten nicht mehr einspielen, seit die Zahl durchsichert, dass zwei Drittel aller Windräder im Süden Verluste produzieren, und seit hier und da sogar in Zeitungen steht, dass Stromtrassen und Speicher fehlen und es sich bei den hochgelobten Green Jobs nur um subventionsgetränkte Mauerblümchen handelt.

„Nicht jammern, selbst machen! In Jühnde schafften die Leute die lokale Energiewende. Nun wollen sie mehr: eine bessere Welt“ titelten die „Stern“-Autoren (Stern 20/2015). Und: „Jühnde 2.0 könnte eine Blaupause liefern viele der 3000 deutschen Klein- und Mittelstädte.“ Zumindest dann, wenn es sich um Orte handelt, die nicht wesentlich mehr als 800 Menschen und die vor allem keine Industrieunternehmen beherbergen. Burghausen in Bayern ist auch nur ein kleiner Ort; das Werk der Wacker AG, die dort Polysilizium herstellt, verbraucht allerdings so viel Strom wie die Millionenstadt München.  Und das beschauliche Ludwigshafen verschluckt zusammen mit dem Stammwerk von BASF so viel elektrische Energie pro Jahr wie Dänemark. Wer nur ein wenig mit verfügbarer Fläche und Energiedichte rechnet, kommt schnell darauf, dass ein nach Jühnde-Vorbild mit Maisgas, Wind- und Sonnenstrom vollversorgtes Deutschland eben kein Industrieland mehr sein dürfte, sondern eine Art Mittelerde, in der bestenfalls Hausschornsteine qualmen.

Nun produzieren die Jühnder mit ihrer Biogasanlage sogar mehr Strom, als sie selbst brauchen. Wer den Strom haben will, darüber brauchen sie sich nicht den Kopf zu zerbrechen: dank des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) muss der Netzbetreiber ihnen den Überschuss zu einem Phantasiepreis abnehmen. „“Lieber schauen die Genossen auf ihr Konto, wo jede produzierte Kilowattstunde, die sie einspeisen, mit rund 20 Cent verbucht wird. Diesen hochsubventionierten Preis garantiert ihnen das EEG noch bis 2025“, berichtet der „Stern“. Nur zur Information am Rand: Das hochmoderne Gaskraftwerk Irsching in Bayern steht still, weil es sich selbst bei einem Produktionspreis von etwa 5 Cent pro Kilowattstunde nicht mehr rechnet. Denn der Börsenstrompreis liegt, auch dank der fröhlich eingespeisten Energiemengen vieler kleiner Jühndes, bei etwa 3,5 Cent. Abnahmeverpflichtung zu Preisen, die ein paar Millionen Verbraucher zwangssubventionieren, das gibt es natürlich nur für die Grünenergie, die zwar vom Honigtopf der Förderknete nicht loskommt, der aber in der politischen Rhetorik die Zukunft gehört, während subventionsfreie Gaskraftwerksbetreiber vom Markt fliegen. Und nur durch den stetigen Subventionsstrom von außen kann sich ein Ökowunderdorf wie Jühnde überhaupt rechnen, jedenfalls für die glücklichen Bewohner. Demnächst will die Ökogenossenschaft sogar nur noch Strom liefern, wenn er irgendwo gebraucht wird. Kein Problem, dafür gibt es nämlich eine vom Verbraucher ebenfalls bezahlte „Marktprämie“.

Die neueste Errungenschaft der Jühnder, rapportiert der „Stern“, revolutioniert jetzt sogar den ländlichen Verkehr: Im Dorf gibt es neuerdings eine Carsharing-Station für Elektromobile, die mit lokalem Strom betankt werden. Einen kleinen Erklärsatz bringen die Berichterstatter sehr unauffällig in ihrem Jubeltext unter: „Finanziert wurde das Pilotprojekt bislang mit Fördermitteln.“ Man sieht, kaum fließt anderen abgezwacktes Geld in Strömen, dann geht auf einmal sehr viel. Schließlich soll Deutschland ja seinen Anteil von 2,3 Prozent am weltweiten Kohlendioxidausstoß dringend reduzieren, vielleicht auf 2,15 Prozent. „Eigentlich“, sagt der Chef der Jühnder Öko-Genossenschaft den Stern-Leuten, „muss Deutschland Jühnde nur in groß denken, wenn es die Energiewende schaffen will.“

Ein industriefreies niedersächsisches Subventionsempfängerdorf mit 80 Millionen Einwohnern – so ähnlich, das steht zu befürchten, stellt sich auch das eine oder andere Regierungsmitglied in Berlin das Deutschland der Zukunft vor.

 

Ein Jahr „Grüner Blackout“

Ein Jahr „Grüner Blackout“

Als der „Grüne Blackout“ vor einem Jahr erscheinen sollte – zunächst nur als E-Book – winkte ein größerer Verlag ab, dem ich das Manuskript angeboten hatte. „Niedrige dreistellige Verkäufe“ würden da herauskommen, meinte der Chef. Wenn überhaupt.

Ich wollte nicht noch andere Verleger und Lektoren abklappern, sondern entschied mich, einen eigenen Kleinstverlag dafür zu gründen. Das hieß: Keine Marktmacht, ein Werbebudget von fast Null.

In den letzten 12 Monaten verkauften sich das E-Book und die folgende Taschenbuchausgabe über 4000 Mal. Die real existierende Energiewende selbst besorgte die beste Werbung für das Buch: Die Pleite von Prokon und zig anderen grünen Glücksritterfirmen, das Eingeständnis Sigmar Gabriels, die Energiewende stünde kurz vor dem Scheitern, der Kahlschlag in Wäldern, um noch mehr ineffiziente Windmühlen in die Landschaft zu pfropfen. Ein wenig widerstrebt es mir natürlich, mittelbar an einem Desaster zu verdienen. Aber den organisierten Wahn kann ich als einzelner nicht ändern. Aber Zusammenhänge erklären und die Scheinlogik von Grünenergiebegeisterten demontieren – das geht auf 170 Seiten durchaus.

Deshalb: Danke an alle Leser des „Grünen Blackout“. Vielen Dank auch an die kompetente Firma booklift, die mir und anderen hilft, Bücher im Netz bekannt zu machen! Danke für die vielen Mails mit Hinweisen und Anregungen. Und frohe Ostern!

 

Der Grüne Blackout in Dresden

Wer eine kritische Diskussion zur Energiewende erleben will, ist am 16. April in der Dresdner Wilhelm-Külz-Stiftung richtig: Dort stelle ich mein Buch „Der grüne Blackout“ vor. Anschließend folgt eine Debatte über die jüngsten Wendungen der Energiepolitik: Von Windrädern im Wald über Energietrassen ohne Plan bis zu dem neuen Versuch der Bundesregierung, Braunkohle aus dem Markt zu drängen.
(Hier das PDF der Veranstaltungsankündigung).

 

Windiges Geld

Ein einigermaßen realistisches Energiewendestück im öffentlich-rechtlichen Fernsehen kommt spät, aber es kommt: Am 23. März um 22 Uhr sendet der NDR unter dem Titel „Windiges Geld“ eine 45-Minuten-Reportage über das Treiben der Windkraftlobby. Als der SWR vor einiger Zeit etwas ähnliches wagte, beschwerten sich die Grünen im Südwesten umgehend beim Intendanten und drohten „rechtliche Konsequenzen“ an – ein Verhalten, das man ansonsten nur von Carsten Maschmeyer und Gregor Gysi kennt.
 

„Jeder ist ein Reaktionär, wenn es um Dinge geht, mit denen er sich auskennt.“

– Robert Conquest

 

 

Die Energiewende schreitet kraftvoll voran

Die Energiewende schreitet kraftvoll voran

Früher gestaltete sich die Rechnung für Stadtwerke einfach: Das Elektrizitätswerk verdiente Geld, die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren einen Verlust ein, und das kommunale Unternehmen stopfte mit dem Gewinn des einen Geschäftsfeldes die Löcher des anderen. Heute stellt sich die Lage etwas anders dar: Bus und Bahn erwirtschaften noch immer ein Defizit. Das E-Werk neuerdings auch – weil sich wegen der Energiewende alles, alles ändern muss.

Der Chef der Münchner Stadtwerke Florian Bieberbach bereitete Stadtverordnete und Öffentlichkeit vor ein paar Tagen schon einmal auf schlechte Zeiten vor. „Es ist nicht so, dass wir insolvenzgefährdet sind“, so Bieberbach im Münchner Merkur, „aber wir stehen vor einer längerfristigen Verschuldung, mit der wir uns nicht wohlfühlen.“ Derzeit liege die Verschuldung des Unternehmens bei zwei Milliarden Euro. Deshalb, so Bieberbachs Vorschlag, solle Münchens Stadtkasse für eine Zeit auf eine Gewinnabführung der Stadtwerke in Höhe von 100 Millionen Euro jährlich verzichten. Denn das Unternehmen brauche dringend Geld, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am 5. März 2015 schreibt, „für Milliardeninvestitionen in erneuerbare Energien“, vor allem in Offshore-Windfelder hoch im Norden.

 Bisher hatten die Stadtwerke eher Kleckerbeträge in Ökoenergien gesteckt, beispielsweise 64 Millionen Euro in das spanische Solarthermiekraftwerk Andrasol. Weil die spanische Regierung die Privilegien für Solarstrom dann kappte, mussten die Münchner 2014 die gesamte Investitionssumme abschreiben. Mit klassischer Stromproduktion verdienen kommunalen E-Werke auch kaum noch etwas, weil das erratisch schwankende Überangebot an Grünstrom den Börsenpreis in den Keller drückt.

Da fällt es naturgemäß schwer, das Kapital überhaupt aufzubringen, das in neue Windräder fließen soll. Aber andere Stadtwerke zeigen, dass der Kraftakt sehr wohl zu meistern ist: Sie pumpen ihr Geld beziehungsweise das der Bürger trotz schwierigster Marktlage in Windkraft, weil die Anteilseigner – die Parteienmehrheit in der Ratsversammlung – dies so wünschen. In Erlangen führte das zur Totalabschreibung der Investition, weil die Winderträge weit unter den Erwartungen blieben. Über die Investition der Stadtwerke Mainz sagte Vorstandschef Detlev Höhne der FAZ:

„Die Anlagen – die … 2005 bis 2010 in Betrieb gegangen sind – bringen kein Ergebnis, bis zum heutigen Tage nicht.“ Schlimmer noch: Es gebe sogar leichte Verluste. Dies gehe allen Anlagen in Rheinland-Pfalz so: „Ich sehe keine einzige, die im Geld ist.“

Selbstverständlich wollen die politischen Mehrheiten an der Energiewende nicht rütteln. Sie sprechen von schlechten Windjahren, ungünstigen Rahmenbedingungen und davon, dass am weiteren Ausbau der Grünenergie nichts vorbeiführt. Wenn es irgendwann nichts mehr hilft, dass Stadtwerke wie München dafür ihre Überweisungen an die kommunale Kasse zusammenstreichen, könnten sie zu Spendenaktionen übergehen: Gerade in der bayerischen Hauptstadt besitzen die Bürger daheim noch das eine oder andere an Gold, das sie garantiert gern für Offshorewind-Plattformen aus Eisen geben.

Was Sie schon immer über Juden und Windräder wissen wollten

Zu den beliebtesten Erzählungen über Juden gehört der Glaube an ihren Einfluss: nicht öffentlich, versteht sich, sondern klandestin ziehen sie Strippen in der Hochfinanz, den Medien und dem ganzen Rest dazwischen. „Juden haben zu viel Macht“ gehört zu den immergrünen Hits des Antisemitismus.

Vor kurzem stellte die Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung(IKG)der Universität Bielefeld fest, wie unverwüstlich in Deutschland das Narrativ vom Juden funktioniert,der überall dahintersteckt: “23 Prozent – also fast ein Viertel – der älteren Deutschen ab 60 Jahren, meint, ‚Juden haben zu viel Einfluss in Deutschland. Bei den Jüngeren bis 30 Jahren ist die Zahl mit knapp zehn Prozent zwar deutlich geringer. ‚Sie bleibt aber seit Jahren beinahe auf einem ähnlichen Stand. Wir scheinen uns damit abgefunden zu haben’, erklärt Beate Küpper vom IKG.“

Juden haben zu viel Einfluss – das ist freilich eine grobgestrickte Formulierung, die der „Süddeutschen“ so nie unterlaufen würde. Am 3. Februar schrieb das Münchner Blatt anlässlich des Netanjahu-Besuchs in den USA über die Aipac, das „American Israel Public Affairs Comittee“, in dem sich seit 1953 amerikanische Israel-Unterstützer organisieren: „Aipac gilt als eine der einflussreichsten Lobbygruppen in Washington, die Organisation vertritt zwar keine große Wählergruppe, verfügt aber über ein großes Spendernetzwerk, das etlichen Politikern im Wahlkampf helfen soll. Kritiker werfen Aipac vor, einen unverhältnismäßigen Einfluss auf Washington auszuüben, gemessen am geringen jüdischen Bevölkerungsanteil in den USA.“

Daraus geht nach Ansicht des Münchner Volksaufklärungsorgans zweierlei hervor: Juden haben – siehe oben –  zu viel Einfluss. Und die Unterstützung Israels kann bestenfalls eine exklusiv jüdische Angelegenheit sein, die sich kein anderer freiwillig ans Bein binden sollte oder dürfte.

Was zu der Frage führt: wie groß darf der legitime Einfluss einer Gruppe auf die Politik eigentlich ausfallen? Der jüdische Bevölkerungsanteil in den USA beträgt ungefähr zwei Prozent. Der Vergleich zu einem ganz anderen Milieu in Deutschland ist deshalb nicht ohne Reiz: In der Solarindustrie zwischen Garmisch und Flensburg arbeiten etwa noch 5000 Beschäftigte. Im harten Kern der grünen Industrie, also in der Produktion von Energieerzeugungsanlagen, verdienen schätzungsweise 60 000 Menschen ihr Geld. Das Bundesumweltministerium, das auch noch jeden Solarpanelinstallateur und Dämmplattenschrauber und auch so exotische Grünjobber wie Windberater und Klimabeauftragte zu den Werktätigen der Energiewende zählt, meldete 2011 mit 382 000 Beschäftigten einen Höchststand. Seitdem geht deren Zahl kontinuierlich nach unten.

Wer großzügig noch alle Windparkeigentümer, verpachtenden Landwirte und Solarworld-Aktienbesitzer dazuzählt und aufrundet, der kommt auf einen Personenkreis von grob 800 000 Deutschen, die von der Energiewende profitieren oder zumindest auf Geldvermehrung hoffen. Das wären ein Prozent der Bevölkerung. Deren Lobby gelingt es immerhin, ein System am Laufen zu halten, dass ihr für unverlangt produzierten Ökostrom jährlich über 23 Milliarden Euro überweist, obwohl die Energie an der Börse nur ein Bruchteil wert ist, sie schafft es, hunderttausende Mieter durch eine unsinnige Dämmung abzukassieren, die gesamte Energiebranche eines Industrielandes nach ihrem Gusto umzubauen und sich Wohlfühlgesetze à la carte schreiben zu lassen. Die Zeit, die der Lobby neben dieser Titanenarbeit noch bleibt, vertreibt sie sich mit Klagen darüber, wie wenig man auf sie hört.

Besäße die Aipac nur halb so viel Einfluss wie die grünen Druckmacher in Deutschland, dann sähe die amerikanische Israel-Politik mit Sicherheit anders aus.

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