Journalist & Autor

Seit 10. März im Handel

Stimmen zum Buch

„Einer meiner Lieblingsstellen in diesem faszinierenden und ermutigenden Buch: „’Hans im Glück’ handelt eigentlich von einer erfolgreichen Depressionsbekämpfung. Hat das schon mal jemand festgestellt?“

Harald Schmidt, Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe

„Vor allem möchte Wendt darüber aufklären, wie man die Depression bekämpft – und wie besser nicht. Dabei pflegt er einen mal lakonischen, mal ironischen, mal witzigen Ton jenseits von Larmoyanz. Das erleichtert den Zugang zum Thema ungemein. Denn nichts ist deprimierender als deprimierende Bücher über Depression.“

Alexander Grau in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

„Die letzte Markierung ist auf Seite 73, danach habe ich mir keine Notizen mehr gemacht. Die Geschichte des Alexander Wendt und sein Kampf mit seinem Miststück zog mich so in den Bann, dass ich vergaß, was ich vorhatte. Eigentlich kann das Buch als Roman gelesen werden, es fehlt nichts, insbesondere die Komik nimmt einen besonderen Platz ein.“

Quentin Quencher auf „Die Achse des Guten“

„Literarisch, klug und alle andere als larmoyant verhandelt der Autor und Journalist das Wesen der Depression.“

Barbara Zahn, Bayerischer Rundfunk

„Das Buch wird als Sachbuch rubriziert, aber man könnte es ebenso gut unter die Literatur rechnen. Wendt ist ein eleganter und witziger Stilist, vor allem dann, wenn er sich selbst zum Material nimmt, denn das im Buch Beschriebene ist auf weite Strecken erlebt und erlitten. Es ist zugleich eine Geschichte des Umgangs mit einer Krankheit, die man lange als durch äußere Einflüsse verursacht begriffen hat – als da wären eine auf diese oder eine andere Weise schwere Kindheit, die individuelle Variante, oder der Kapitalismus als gesellschaftliche Ursache – passt ja irgendwie immer.“

Cora Stephan auf „Tichys Einblicke“

„Alexander Wendt hat einen sehr persönlichen Erfahrungsbericht geschrieben.“

Stefan Maelk, Mitteldeutscher Rundfunk

„Alexander Wendt, 1966 in Leipzig geboren, hat so schwere Depressionen, dass er sich in stationäre Behandlung begeben musste. Nun flaniert er mit dem Leser durch die psychiatrische Szenerie und die Kulturgeschichte der Depression, gelassen, gelehrt, nachdenklich.“

Sophie Dannenberg in Cicero

„Eine gute Mischung aus Theorie und Selbsterfahrung.“

Stefanie Platthaus in den Ruhrnachrichten

Dokumentarfilm „Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages“

Am 8. Juni wird in den Hackeschen Höfen in Berlin der Dokumentarfilm „Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages“ uraufgeführt, der an Depression Erkrankte in ihren besseren und schlechten Phasen zeigt.
Ich freue mich darauf, an dem Abend auf dem Podium mit dem Vorsitzenden der Stiftung Depressionshilfe Ulrich Hegerl und den Filmautoren Michaela Kirst und Dirk Lütter diskutieren zu können.
Die Premiere ist leider nicht öffentlich, aber der Film wird – hoffentlich – bald für jeden zu sehen sein, der sich für den autonomen Umgang mit dem Krankheitsbild interessiert.

Gruß ans Publikum

Gruß ans Publikum

Nach der Veröffentlichung von „Du Miststück“ hatte ich mit Reaktionen von völlig Fremden gerechnet (die bekomme ich auch), aber weniger mit so vielen Nachrichten aus der Nähe. Leute, die ich über das Netz oder andere Wege kenne, schreiben beziehungsweise erzählen mir, wie sie von ihrer Depression phasenweise unter die Oberfläche gezogen wurden. Oder ihre Lebensgefährten. Ein Kollege teilt mir mit, dass er sein Miststück Gregor getauft hat. Der Name schien und erscheint ihm aus einem nicht ganz durchsichtigen Grund zwingend. Jedenfalls erfüllt er seinen Zweck tadellos, Distanz zu schaffen.

Ein anderer, von dessen Problem ich bis vor kurzem nichts wusste, verabschiedet sich in die Klinik. Der nächste beschreibt mir, wie gut es ihm inzwischen mit einem bestimmten Medikament geht; früher, sagt er, sei er in seinen manischen Phasen ein paarmal zwangseingewiesen worden. Wahrscheinlich muss man erst ein Buch über die Depression schreiben, um zu erfahren, wie verbreitet das Phänomen ist.

Mehrere Leser sagen mir, dass sie sich mit meinem Miststück amüsieren. So soll es sein.
Meine Lieblingsvorstellung besteht darin, wie jemand das Buch in einer Klinik zu lesen beginnt, parallel zur Wirkung des Antidepressivums, und merkt, wie die Wahrnehmungsfähigkeit wieder in ihn zurückflutet.

Vor zwei Jahren lief ich in der Annahme über den Odeonsplatz, ich sei jetzt geheilt. Was natürlich falsch war. Aber ich komme jetzt beim gelegentlichen Durchkentern nicht mehr zurück in den Zustand vor der Klinik, ähnlich wie ein Skipper, der unter Wasser nicht Panik gerät, was in meinem Fall nicht nur an den Medikamenten liegt, die ich nehme, sondern hoffentlich auch an meinen erworbenen Fähigkeiten.

Das, was ich versuche, nennen Militärs aktive Verteidigung. Davon handelt im Großen und Ganzen mein Buch.

Copyright Vija Celmins

Copyright Vija Celmins

Diese ungeheuerliche Entladung im Kopf

Wie ASMR-Videos das Gehirn sortieren

Wie hört sich ein Stück Schaumstoff an, das jemand mit leichtem Druck über eine harte glatte Fläche zieht, an der wiederum zwei leistungsfähige Mikrofone den Klang aufnehmen? Es hört sich voll an, voluminös, straff wie ein neu bespannter Sessel. In den Schaumstoffporen bilden sich kleine  Wirbel von Subgeräuschen. Bevor ich beschreibe, wer diese und andere Geräusche erzeugt, warum hunderttausende Menschen weltweit jeden Abend diesen und ähnlichen Klängen zuhören, und wie diese Frequenzen dabei helfen, Schlaflosigkeit zu bekämpfen, das Gehirn richtig oder jedenfalls besser zu kalibrieren und Spannungen zu lösen, bevor ich also auf die nützlichen Details eingehe, will ich den Begriff nennen, der das alles zusammenfasst. Er lautet ASMR, Autonomous Sensory Meridian Response.

Seit 2010 verbreiten sich die ASMR-Videos im Netz; die meisten stammen aus den USA, mittlerweile gibt es aber auch nichtenglische Angebote. Die Abkürzung ASMR funktioniert wie ein Zugangscode. Selbst erstaunlich viele Neurologen, Populärkulturexperten, Videokünstler und andere, in deren Bereich das Phänomen mit seinen fließen Grenzen eigentlich fallen sollte, können mit dem Kürzel ASMR nichts anfangen. Wer den Code allerdings erfährt und bei Youtube eingibt, der landet auf einem anderen Planeten. Ein Neuling findet sofort so viel Material, dass er Tage nur mit dem Sichten der besten Filme zubringen könnte.

Es gibt ASMR-Videos, die mehr als zehn Millionen Mal angeklickt wurden. Jeder, der einen dieser Filme sieht und vor allem die Geräusche mit einem Kopfhörer wahrnimmt, weiß nach weniger als einer Minute, ob er für Autonomous Sensory Meridian Response erreichbar ist oder nicht. Es handelt sich um eine Ja-Nein-Frage. ASMR-Empfindlichkeit lässt sich nicht trainieren. Deshalb verbreiten sich die Videos nicht viral in alle Richtungen, sie werden vielmehr von denjenigen entdeckt, die erstens durch zufälliges Herumstreifen  irgendwann den Buchstabencode aufschnappen und zweitens merken, dass sie zur Zielgruppe zählen. ASMR-Videoseher bilden deshalb wahrscheinlich die isolierteste Massenbewegung der Welt.

Wobei: es geht gar nicht in erster Linie um das Sehen, sondern das Hören. ASMR basiert sehr oft auf binauralen Tonaufnahmen, das heißt, die mit zwei Mikrophonen aufgenommenen Töne dringen mit jeweils mit minimalen Differenzen rechts und links in den Kopf, der daraus ein einheitliches Geräusch errechnet. Aus diesem Vorgang ergibt sich ein Effekt, der – um einmal mehrere Erklärungsschleifen zu überspringen – bei ASMR-Empfänglichen einen spannungslösenden Zustand erzeugt, den manche angenehmes Rieseln empfinden, andere als Sandharken im neuronalen Zengarten oder als plötzliche Entladung einer Spannung. Die strukturelle Ähnlichkeit mit dem  unendlich unterhaltenden Film in David Foster Wallace’s „Unendlicher Spaß“ fällt fast jedem auf, der das Buch kennt und sein erstes gutes ASMR-Video sieht. In dem Roman lässt ein enigmatisches, nie näher beschriebenes Video das Gehirn jedes Zuschauers sofort implodieren. Es schrumpft auf ein winzige neuronale Einheit des grenzenloses Wohlgefallens, die sich nichts anderes mehr als eine ewige Wiederholung wünscht.

Clemens Setz, der Autor, der mich und vermutlich tausende andere mit seiner Beschreibung  anfixte, schrieb über seine Begegnung mit ASMR-Filmen in der „Süddeutschen Zeitung“:

„Während meiner Studienzeit ging ich zwischen den Lehrveranstaltungen oft in den großen Lesesaal der Uni-Bibliothek. Manchmal tat ich so, als würde ich etwas lesen, aber in Wirklichkeit saß ich einfach da und genoss die Geräuschkulisse. Das Umblättern, das leise Kratzen von Bleistiften, das vorsichtige Wühlen in einer Handtasche. Diese herrlichen Menschengeräusche versetzten mich in einen Zustand, der erst einige Jahre später einen offiziellen Namen erhalten sollte.

Es lief immer gleich ab: Auf meiner Kopfhaut begann ein angenehmes Spannungsgefühl, das dann über den Nacken langsam hinunterwanderte, verbunden mit einem Bewusstsein gesteigerter Konzentration. Ich wurde ein wenig high. Der stärkste Trigger im Lesesaal war das Räuspern von Menschen, die wussten, dass ihr Räuspern durch die Akustik des Raums amplifiziert wurde und es deshalb so sanft wie möglich machten. Für gewöhnlich blieb ich so lange sitzen, bis sich das Gehirnkribbeln ausgebrannt hatte.

Mein Privatausdruck für das Gefühl war ‚geräu’. Dieses Adjektiv hatte ich als Kind erfunden. Irgendein Wort braucht man schließlich. Ich ging ganz selbstverständlich davon aus, dass niemand sonst diese Empfindung kannte.“

Über die objektive Wirkung von ASMR existieren nur sehr wenige Forschungsarbeiten, aber eine unüberschaubare Menge an persönlichen Berichten im Netz. Was heißt in diesem Fall Wirksamkeit? Fast alle, die auf ASMR anspringen, berichten von einer Entspannung, die anders als bei einer Körpermassage ohne Umwege dort beginnt, wo ansonsten die Spannung sitzt, in bestimmten Bereichen des Gehirns. Von dort aus breitet sich eine Schläfrigkeit aus, die Muskelspannung geht zurück, es vollzieht sich innerhalb von Minuten ein Akt zwischen Hypnose, Selbsthypnose und Meditation. In ASMR-Videos gibt es keine Narration, keinen logischen Beginn und kein zwangsläufiges Ende.  Am ehesten ähnelt ihre Struktur dem Sand- oder Reiskornrieseln, mit denen sich manche Autisten beruhigen, oder dem weißgrauen Gestöber auf den Fernsehbildschirmen zu den Urzeiten, als es noch einen nächtlichen Sendeschluss gab.

 Die amerikanische Künstlerin Vija Celmins beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit diesem Sog der Entropie; bevorzugten Motive ihrer Zeichnungen und Druckgrafiken sind bewegte Meeresoberflächen und Sternenhimmel, Phänomene, die sich jeweils durch unendliche Variation des gleichen Grundmusters bilden. Es scheint eine anthropologische Konstante durch fast alle Zeiten und Kulturen zu sein, in den Sternenhimmel zu starren, auf die See zu schauen, um das neuronale Netz zu beruhigen. ASMR-Filme, die auf den ersten Blick singulär wirken, fügen sich mühelos in diese weitläufige Verwandtschaft ein. 

Clemens Setz steckte mich und Tausende andere nicht nur an, er stieß mich auch auf den ASMR-Videokünstler Ephemeral Rift 

, einen Meister, der mir mit seiner Flüsterstimme  (er ist ein Großmeister des deutlichen Flüsterns) und seinem streichenden Schaumstoff, dem Beklopfen einer Melone, Schritten im Schnee und dem Knistern von Plastikfolie so nah kommt wie nur wenige andere Menschen. Er kurierte bei mir nicht nur Einschlafschwierigkeiten, sondern auch die Kiefern- und Nackenschmerzen, mit denen ich früher oft aufwachte, weil die Muskeln im unruhigen Schlaf weiterarbeiteten. Manchmal mündet die Entspannung im Kopf später sogar in das, was Franz Kafka in seinem Tagebuch sein „ungeheuerliche Traumwohlgefallen“ nannte.

Viele Psychiater sehen in dem hyperarousal state – der neuronalen Dauererregung – eine zentrale Grundlage der Depression. ASMR führt im Idealfall immerhin zeitweise zu einem Zustand auf dem entgegengesetzten Ende der Skala. 

Viele von Ephemeral Rifts Filmen dauern länger als eine Stunde. Am  Stück habe ich noch keinen gesehen. Nach spätestens zwanzig Minuten schlafe ich ein.

Lebenshilfe 1 A

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Verändern Psychopharmaka die Persönlichkeit? Ich meine: ja, hoffentlich. Sonst würde ich keine nehmen. Mir ist natürlich klar, dass sich die Frage nicht ausschließlich auf die Veränderung des depressiven Zustandes richtet, der auch zur Persönlichkeit gehört, sondern auf den Punkt, ob Medikamente neben der Depression auch noch an anderen Eigenschaften herumschrauben.

Um das zu klären, empfiehlt es sich, das Subbewusstsein zu befragen, also die Träume. Für eine kleine Versuchsreihe – Intoxination nach Wunsch, dann Nachtruhe – habe ich mich anderentags aufs Sofa gelegt und eine Reihe von Träumen samt Ausgangslagen notiert. Ergebnis: Erstens, die Substanzen Alkohol, Koffein, Pillen und Nüchternheit korrelieren nicht oder nur hauchdünn mit dem Unterbewussten.

Zweitens: Seit es Laptops gibt, lässt es sich auch in horizontaler Lage einigermaßen bequem schreiben.

 

*

Träume unter Einfluss

Wein

Ein Roman von Thomas Pynchon, „The Great Years“, etwa tausend Seiten. Schon der Titel schwer unübersetzbar: „Die großen Jahre“ passt nur halb, besser „Großartige Jahre“, am ehesten „Jahre der Größe“, was wiederum keinen Rhythmus ergibt.

Es geht um Adlige, die nach rigiden und von außen kaum zu durchschauenden Familienregeln leben, obwohl sie längst nicht mehr über macht und Reichtum verfügen. Einer dieser Adligen besitzt – und das gehört auch im weiteren Sinn zur Tradition – eine Vorliebe dafür, in Wohnungen fremder Leute einzudringen, wenn sie sich auf Reisen befinden, um dort ihre Betten, ihr Geschirr und gelegentlich auch ihre Kleider zu benutzen.  Möglicherweise mussten die Bürger ihnen früher ihre Häuser zu genau diesem Zweck überlassen.
Im Traum lese ich den Roman nicht, sondern befinde mich in seinem Inneren, ohne selbst eine Figur zu sein. Ich kann mich im Text und  seinen Konstellationen frei bewegen.

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Nüchtern

Eine Hinterhofwerkstatt, ein Voodoomeister nimmt dort die Stellung des Chefs ein. Magie dient als Arbeitsmittel. Der LKW der Firma beispielsweise, ein dreiachsiger Kastenwagen, schwebt etwa einen Meter über dem Boden exakt an seine vorbestimmte Stelle auf dem Hof.
Zwei Arbeiter machen sich unsichtbar, so dass nur noch ihre Schuhe, Latzhosen und Schiebermützen zu sehen sind. Der Chef selbst befasst sich mit einem von der ganzen Belegschaft geschätzten Zauberspiel, einer Art Scrabble. Der nächste Zug darin erfordert es, dass einem Freund von mir ein Holzpflock durch einen Finger getrieben werden muss, um seinen Körper stillzulegen. Die Prozedur geht schnell und bereitet ihm keine Schmerzen. Der Chef braucht den Freund, weil dessen Vorname mit a endet und der Name der nächsten Person im Spiel mit A beginnt. Beide, darum geht es, will der  Magier in die richtige Position legen, miteinander verbinden und dann als Einheitverschicken.

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Johanniskraut

In einer Kirche , den Blick auf eine halbrunde düstere Nische gerichtet, sitze ich mit albern gefalteten Händen, glaube nichts, was hier für wahr gehalten wird, fühle mich aber halbwegs glücklich, in dieser Gemeinde sitzen zu dürfen.

Der liturgische Text auf dem Blatt vor mir beginnt mit einem Trishagion:

Das Biest

das Biest

das Biest.

*

Citalopram, Lamotrigin

Auf Weinranken im Innenhof eines klosterartigen Gebäudes kriechen zwei glänzende hamstergroße Käfer herauf, wobei einer
ein Schild aus Horn wie eine Planierraupe vor sich herschiebt. Wie ich weiß, handelt es sich bei den Tieren um eine seltene Delikatesse. Ich bitte einen auf dem Hof ebenfalls herumstehenden Mann, einen Koch, teils auch Wirt und Verleger, mir beide zu fangen und zuzubereiten, am besten mit Reis á la Trauttmansdorff.

Muss sehr lachen.

*

Citalopram, Lamotrigin, Tee, am Ende doch noch ein Grappa

Margot Käßmann tritt in einer Messehalle auf, es ist Kirchen- oder sonstwie ein bedeutender Tag. Ich bin in der folgenden Szene nur Beobachter. Käßmann trägt ein selbstgeschriebenes Lied zum
Banjo vor, „Mein Banjo und ich“.  Es handelt davon, dass ihr Instrument leidet, wenn sie leidet, dass es ihm gut geht, wenn es ihr gut geht, und dass es überallhin mitkommt, wohin Käßmann geht, zum Einkaufen, ins Kino und sogar in die Sauna. Wie beim Kniebeugetanz Laurentia versteht man das Konzept sofort, allerdings nudelt die Vortragende dann noch zehn Strophen herunter. Aber irgendwann ist doch Schluss. Das Publikum applaudiert. Eine Frau mit Frauenrucksack steht auf und sagt, früher sei sie, die Käßmann, aber politischer gewesen.

Käßmann antwortet, ihr Lied sei sehr wohl politisch, es schaffe die Voraussetzung für das Glück. Nämlich: „Nur ein fröhlicher Mensch ist ein glücklicher Mensch.“

Außerdem passe es hervorragend zu Pufficato, mit dieser Feier beginne das Kirchenjahr nicht umsonst.

*

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Praktische Hilfestellung  1 A

Ruminationen* bezeichnen das zuweilen zwanghafte Grübeln über Probleme und Depressionsgründe, wobei die Gedanken meist in den immer gleichen Schleifen wiederkehren. Manchmal lassen sich diese Gedankenkreise durch Mantras ersetzen. Vermeidest du dann noch die schlechten Mantras, wird alles besser.

Eine nützliche Handreichung für diese Therapie bietet folgende Liste schlechter Mantras, die hier so lange fortgesetzt werden soll, bis sie alle denkbaren Varianten in Deutsch und perspektivisch in Englisch umfasst.

*

Schlechte Mantras (1)

Ich werde Stolperweltmeister in Uppsala.

Jeden Tag ein bißchen echter. (Wolfgang Beltracci)

Schlüssel, Handy, Portmanee, das verliert man leicht im Schnee.

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Schlechte  Mantras (2)

Mundgeruch und Lesebrille, das war nicht des Führers Wille.

Die kleine Heckler & Koch ist der Schminkkoffer unter den Maschinenpistolen.

Que Sera, Sera, Whatever Will Be Will Be.

Jetzt neu: Die unentbehrliche Hilfe für Medienkonsumenten

 

Plantagen des Blöden

Kleines Wörterbuch der Definitionen und Phrasen

Wie lautet das eigentliche Motto der Antifa? Warum ist „Israelkritiker“ ein anerkannter Beruf, für den das Hornbach-Motto gilt: es gibt immer etwas zu tun? Was bedeutet es, wenn Politiker und Kommentatoren feststellen, für irgendetwas gäbe es in Deutschland kein Platz („Für die Klimaerwärmung ist in Baden-Württemberg kein Platz“)?

Wer das Gefühl hat, die Phrasen der öffentlichen Kommunikation in Deutschland nicht mehr ertragen zu können, in der sich unentwegt Scheren öffnen, Kultursensibilität gefordert, breite Bündnisse gelobt und Zeichen gesetzt werden, für den ist das kleine Wörterbuch „Plantagen des Blöden“ eine Machete, um sich eine Schneise durch die erstickenden Wucherungen des Dummdeutschs zu schlagen.

Erscheinungsdatum:

1. Auflage: 01.02. 2016

Versionen:

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Proaktiv im breiten Bündnis

Wolfgang Röhl auf der „Achse des Guten“ über „Plantagen des Blöden“

Vor gut 30 Jahren erschien ein legendäres Kompendium, Titel: „Dummdeutsch“. Sein Autor Eckhard Henscheid trat den damals gängigen Sprachquark der Werber-, Journalisten-, Politker- oder Psychokasperszenen eloquent in eine Tonne mit der Aufschrift „wichtigmacherische Brühe“.

Doch lässt Wortmüll sich nicht nachhaltig entsorgen. Es fällt ja dauernd neuer Unrat an, dafür sorgt die labernde Klasse. Mein Achse-Kollege Alexander Wendt hat deshalb einen bunten Strauß schnittfrischer Blumen des Blöden zu einem kleinen E-Book gebunden.

Den (etwa in Anwaltskanzleien) beliebten Schaumschnack „proaktiv“ kommentiert er wie folgt:

„Proaktiv und zeitnah muss Alk in disruptiver Absicht eingepflegt werden, um Businessquatsch zu ertragen.“ Die nebulösen „zivilgesellschaftlichen Kräfte“ erklärt Wendt ebenso kurz wie prokorrekt: „Nichtstaatliche Kräfte. Müssen vom Staat finanziert werden.“

Und wie verhält es sich mit diesen verdammten „Genen“? „Haben ein prima Leben. Sind für nichts verantwortlich.“

Was braucht es für „breite Bündnisse“, die allerorten zwecks Abwehr schändlicher Bestrebungen geknüpft werden (zum Beispiel von zivilgesellschaftlichen Kräften)? „Mehr als zwei, die das Richtige nicht nur denken, sondern auch identisch auszudrücken wissen.

Zur Not reichen auch genau zwei: ‚Ein breites Bündnis aus Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter.’ (Bernd Zeller)“. Manche Dumpfblume benötig keine Kommentierung. Bloß eine Quelle: „Horrorvision“: ‚Die Horrorvision steigender Straßenreinigungsgebühren konnte der zweite Bürgermeister Horst Lunitschek nicht bestätigen.’“

Kurzum, dank Wendts Blütenlese kann man sogar prekäre Situationen (wie Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln durch Tamil Nadu oder NRW) mit einem Lächeln auf den Lippen überstehen. Und das für den Preis einer halben Packung Marlboro!

Mein Lieblingsjuwel aus seiner Schatztruhe des Doofsprechs ist derzeit im Leitartiklermilieu sehr angesagt. Es handelt sich um jene tückische „Falle“, welche bestimmte Kulturkreise für törichte Bellizisten aufgestellt haben: „In sie darf nicht getappt werden. Der IS beispielsweise, darin weiß sich ein breites Bündnis aus Jakob Augstein und Jürgen Todenhöfer einig, wünscht sich nichts sehnlicher als die Bombardierung seiner Ölfelder, Bodentruppen vor Rakka und strengere Grenzkontrollen in Europa. In diese Falle sollten wir nicht tappen.


Gilt generell für alle Fallen. 


Beispielsatz: Wer sich bei Frost einen Schal umbindet, ist dem Winter schon in die Falle getappt.“

Weg mit Schal!

Hier geht’s zum E-Book:
http://www.amazon.de/Plantagen-Blöden-Kleines-Wörterbuch-Definitionen-ebook/dp/B01B85QGIK/

Kann auch über die Webseite
http://www.alexander-wendt.com als Bundle heruntergeladen werden, zu dem auch eine pdf-Version gehört. Wer kein Kindle hat oder mag, kann den Text damit auch am PC lesen.

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