Journalist & Autor

Streitgespräch mit Prof. Strücker zum Thema Energiewende

Streitgespräch mit Prof. Strücker zum Thema Energiewende

In der 8. Medienlounge in Wiesbaden am 25. November wird das Publikum einen Satz garantiert nicht hören: “Ich bin ganz bei Ihnen”. Über die Frage “kann die Energiewende überhaupt gelingen?” streite ich mit  Professor Jens Strüker von der Hochschule Fresenius.

Denn die Antwort lautet: die 2011 auf dem politischen Reißbrett entworfene Energiewende ist schon gescheitert.

Hier geht’s zur Webseite des Presseclub Wiesbaden

Hier ist das Link zum Programm.

 

Ein paar Eiskugeln vor. Ein paar Kleckse zurück.

Ein paar Eiskugeln vor. Ein paar Kleckse zurück.

Warum die Stromkunden wenig davon haben, wenn die EEG-Umlage fällt

Am 15. Oktober geben die deutschen Netzbetreiber bekannt, wie viel Ökostrom-Umlage die Verbraucher ab Januar 2015 zahlen müssen. Dieses Mal deutet sich eine kleine Sensation an: die Umlage könnte womöglich erstmals seit dem Jahr 2000 minimal fallen – wahrscheinlich um 0,07 Cent pro Kilowattstunde, deren Preis für Haushaltskunden bei rund 28,50 Cent liegt. An der Ökostromreform Sigmar Gabriels liegt das nicht, denn die trat gerade erst im August in Kraft. Und es beweist auch nicht, wie der Grünen-Energiepolitiker Oliver Krischer behauptete, „dass grüne Energie immer günstiger wird“.  Der Begriff „günstig“ passt ohnehin schlecht für Energien, die im vergangenen Jahr – rein netto – rund 14 Milliarden Euro an Subventionen schluckten. Der Mini-Rückgang liegt in Wirklichkeit daran, dass die Stromkunden mit  der Ökostromumlage seit Kurzem auch ein Finanzpolster in der Kasse der Netzbetreiber aufbauen – also eine Art Vorschuss entrichten, von dem sie jetzt eine Kleinigkeit wiederbekommen. Zweitens wächst die Zahl der Windräder und Solaranlagen seit 2013 etwas langsamer als in der Vergangenheit. Außerdem wehte der Wind 2013 und im ersten Halbjahr 2014  zaghafter als im Schnitt der vergangenen Jahre, es entstand also  weniger subventionsbedürftiger Strom als prognostiziert. Steigende Netzgebühren und die kletternde Offshore-Umlage dürften übrigens den zarten Rückgang im Zehntelcent-Bereich schleunigst wieder kassieren.

Wer seine Stromrechnung mit älteren Unterlagen vergleicht, der kann die Mini-Senkung gut einordnen. Denn über die langfristige Entwicklung gab das statistische Bundesamt vor kurzem Auskunft: Seit dem Jahr 2000 stieg der Strompreis für Haushalte in Deutschland um 92 Prozent. Die Bundesbürger zahlen mittlerweile den zweithöchsten Tarif für Elektroenergie in Europa. Nur in Dänemark ist die Energie aus der Steckdose noch teurer. Fast zeitgleich mit der Berechnung des Statistikamtes forderte die Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen, die Energieversorger sollten ihre Preise senken. Spielraum gebe es genug. Der grüne Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter lieferte eine  passende Analyse, warum die Stromkosten für die Verbraucher trotz billiger Börsenstrompreise nicht sinken:  „Weil sich einige Konzerne die Taschen vollstopfen. Wir haben zu wenig Wettbewerb auf dem Strommarkt.“

Liegt der Preisgalopp tatsächlich nur an gierigen Energiekonzernen? Welches Geld wohin fließt, kann jeder nachrechnen, der sich den Strompreis ansieht. Denn der gleicht einer Schichttorte: ein Teilbetrag liegt auf dem nächsten. Eigentlich handelt es sich um drei große Schichten. Erstens die gesetzlichen Abgaben und Steuern. Sie machen etwas mehr als die Hälfte aus, zusammen 14, 42 Cent pro Kilowattstunde. Der dickste Brocken, 6,24 Cent, geht an die Betreiber der Ökostrom-Anlagen. Zum Vergleich: im Jahr 2000, als das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft trat, betrug die EEG-Umlage gerade 0,19 Cent pro Kilowattstunde, weniger als ein Dreißigstel des heutigen Betrages. Ein paar Jahre später gab Jürgen Trittin seine berühmte Prognose ab, die Grünstromförderung würde jede Familie nur ein Euro pro Monat kosten, „so viel wie eine Kugel Eis.“ Aber zurück den Kostenscheiben: 1,79 Cent zahlt jeder Kunde pro Kilowattstunde an Konzessionsabgabe, 0,126 Cent für die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung, 0,329 Cent für die Entlastung der Industrieunternehmen, die nur eine reduzierte EEG-Umlage zahlen, weitere 0,25 Cent, um die Verluste von technischen Pannen an Offshore-Windparks auszugleichen. Dann bedient sich noch der Staat mit 2,05 Cent Stromsteuer und 4,7 Cent Mehrwertsteuer. Da die Mehrwertsteuer auf alles gilt, auch auf die Ökostromumlage, verdient der Bundesfinanzminister bei jeder EEG-Umlagenerhöhung kräftig mit.

Weitere 20 Prozent des Gesamtpreises fließen als Netzgebühr für den Transport des Stroms. Auch die reichen die Energieversorger wie ein Inkassobüro nur weiter. Ihnen bleiben gerade 30 Prozent des Bruttopreises als eigentliche Einnahme übrig. Gegner der Stromversorger wenden ein, der Preis an der Leipziger Strombörse sei aber deutlich gefallen – und diesen Vorteil könnten die Unternehmen doch zur Kostendämpfung an ihre Kunden weiterreichen. Doch erstens bedeutet es für Endverbraucher gar keine gute Nachricht, wenn der Börsenstrompreis nach unten geht. Denn die Höhe der Ökostromumlage richtet sich nach der Differenz zwischen Börsenpreis und den festen Einspeisevergütungen für Betreiber von Windrädern, Solarpanels und Biogasanlagen. Fällt also der Börsenstrompreis, dann steigt die EEG-Umlage automatisch – und damit der Verbraucherpreis. Genau dieser Zusammenhang trug kräftig dazu bei, dass der  EEG-Grünstromaufschlag allein seit 2012 um 70 Prozent nach oben schoss.

Außerdem kaufen die Versorgungsunternehmen nicht ihren gesamten Strom an der Börse, um ihn weiterzuverkaufen – denn in dem Fall müssten sie ja ihre eigene Energie zurückkaufen. Sie stellen den Strom in vielen Fällen selbst her und liefern direkt an Kunden mit langfristigen Kontrakten. Leider immer öfter teurer als die Börse, wo die Grünstrom-Mengen die Preise drücken. Vor allem moderne Gaskraftwerke arbeiten schlicht zu teuer, um noch ihre Kosten zu decken. Der wirtschaftliche Druck trifft nicht nur Konzerne, sondern auch  Stadtwerke. „An vielen Tagen“, klagt etwa der Vorstandschef der Stadtwerke Erlangen Wolfgang Geus, „ist das Gas teurer als Strom, den wir damit produzieren.“ Die Aufforderung, seine Strompreise zu senken, dürfte er als absurden Witz empfinden.

Auch die großen Unternehmen am Markt stopfen sich nicht gerade die Taschen voll, wie Hofreiter meint. Das landeseigene baden-württembergische Unternehmen EnBW nahm 2014 eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro vor und bildete eine Verlustrückstellung von 300 Millionen Euro. Der Konkurrent RWE gab für 2013 einen Rekordverlust von 2,8 Milliarden Euro bekannt. Mitbewerber Eon verdient zwar noch etwas Geld, 2013 ging der Gewinn allerdings schon um 14 Prozent zurück, für 2014 kündigte der Vorstand ein abermaliges Schrumpfen an. Fast der gesamte konventionelle Kraftwerkspark in Deutschland erwirtschaftet Verluste, weil er nur noch als Lückenspringer ans Netz darf, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Allein EnBW möchte deshalb fünf seiner Kraftwerke stilllegen. Das Unternehmen darf nicht. Denn die Bundesnetzagentur stuft diese Anlagen als „systemrelevant“ ein, weil sie die Unzuverlässigkeit des Ökostroms ausbalancieren müssen. Der Energieversorger  muss also Verlust machen – gesetzlich garantiert.

 

(Dieser Text ist auch auf der Achse des Guten erschienen)

Ein Pappbaum für den Nordpol

Ein Pappbaum für den Nordpol

Erinnern Sie sich noch an Felix Finkbeiner? Der Junge aus Bayern, Jahrgang 1997, gründete 2007 die Bewegung „Plant für the Planet“, die Kinder auffordert, Bäume zu pflanzen, um die Klimakatastrophe zu stoppen. Mit 13 durfte Felix vor der UNO-Vollversammlung reden, und es spricht durchaus für den Jugendlichen, dass er seitdem neben Auftritten, Seminaren und Interviews auch noch Zeit fürs Gymnasium findet. Unermüdlich reiste er durch die Welt, um für Bäume als natürliche CO2-Speicher zu werben, und um sie selbst zu pflanzen – kürzlich sogar am Nordpol. „Der am Nordpol war natürlich aus Pappe“, erzählte Finkbeiner dem „Stern“.  Zwölf oder dreizehn Milliarden echte Bäume soll es dank der Finkbeiner-Bewegung für Klimagerechtigkeit weltweit geben. Genau zählt niemand mit.

Nun soll es hier nicht um Häme gegen einen kleinen Klimaaktivisten gehen, sondern um ein ernsthaftes Problem: Finkbeiners Bäumchen droht zumindest in Deutschland ein jähes Ende. In Rheinland-Pfalz will die grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke bis  2030 die mit Windkraft erzeugte Energie in ihrem Land verfünffachen.  Der Platz dafür soll in dem kleinen Land regelrecht freigeschlagen werden: Nämlich im Wald. Im Soonwald im Hunsrück rotieren schon Riesenräder, im mittleren Rheintal planen mehreren Gemeinden den nächsten Großwindpark – selbstverständlich, um das Weltklima zu retten. Die Landesumweltministerin zieht daraus schon einen weitreichenden Schluss: Bei Wald handelt es sich um einen Bewuchs, der Windrädern und damit der Weltrettung im Weg steht. In meinem Buch „Der Grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ heißt es:

„Im Landesnaturschutzgesetz von Rheinland-Pfalz nahm die rot-grüne Landesregierung 2013 eine einschneidende Veränderung vor: Werden Flächen gerodet, unterbleibt nach der Neufassung der Paragrafen in der Regel eine Ersatzaufforstung an anderer Stelle. Offizielle Begründung der grünen Umweltministerin Ulrike Höfken: Das Land Rheinland-Pfalz sei ohnehin zu waldreich, dafür fehle es an Grünland. Allerdings empfehlen und verplanen die geschmeidigen Regierungsrhetoriker auch genau dieses Grünland für Windkraftanlagen und Biogas-Pflanzen.“

Nicht anders  in Baden-Württemberg, wo bis 2020 1000 neue Windräder entstehen sollen, und zwar überwiegend im Wald. Der „Grüne Blackout“:

„Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller geht als erster Grünenpolitiker in die Geschichte ein, der den Kahlschlag von Wäldern zum Programm erhebt. Schon 2012 verkündete er in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“:

„Die neue Generation der Windräder ist 140 Meter hoch, die können sie auch in Gebieten aufstellen, die bislang für Windkraft kaum nutzbar waren.“

Wirtschaftswoche: Zum Beispiel?

Untersteller: „Im Wald. 30 Prozent des Waldes in Baden-Württemberg sind in Landesbesitz. Wir werden als Regierung einen eigenen Beitrag zur Energiewende leisten und Windparks in Waldgebieten fern von Wohnbebauung errichten. Erste Planungen und Gespräche mit der Forstverwaltung laufen.“

Auf den Höhenlagen des Schwarzwalds wehe der Wind besonders gut, so der Minister, deshalb müssten dort auch vergleichsweise die meisten Bäume weg. Die Natur, die Waldtieren, die Vögel, dort brüten – etliche davon theoretisch durch die Rote Liste geschützt – das alles gerät für die Anhänger der großen Transformation zur Fußnote, mit der sich ein Weltretter beim besten Willen nicht auch noch befassen kann.

Leider handelt es sich nicht um Fußnoten.  Sondern um gigantische Trampelspuren. Bis 2020 wünscht sich Untersteller 1000 neue Windräder in Baden-Württemberg, wozu auch immer – denn die Küstenländer produzieren jetzt schon riesige Windstromüberschüsse. Würden nur zehn Prozent dieser neuen Rotoren im Ländle im Wald entstehen, dann liefe das auf einen Kahlschlag von 800 000 bis einer Million Quadratmetern Wald hinaus.

Es könnte also geschehen, dass das eine oder andere Finkbeiner-Gehölz vor die Kettensäge kommt. Der Kahlschlag zugunsten von Windrädern scheint sich in Deutschland als Klimarettungskonzept gegen das Bäumepflanzen nun mal durchzusetzen. Obwohl die deutschen Kohlendioxid-Emissionen seit Jahren steigen und nicht sinken. Und zwei Drittel der Windräder in Rheinland-Pfalz weniger Strom liefern als prognostiziert, weil das südwestliche Land praktisch komplett in einer Schwachwindzone liegt. Die Rotoren, sie sich dort auf den Lichtungen drehen, beeinflussen das globale Klima ungefähr so stark wie ein Pappbaum am Nordpol.

Nur die Gewinne der Windradhersteller und Waldverpächter fallen nicht in die Kategorie des Symbolischen. Sie sind das einzige Echte im Klimageschäft.

(Dieser Beitrag erscheint in ähnlicher Form auch auf achgut.de. Hier finden Sie die Taschenbuchausgabe des “Grünen Blackout”)

 

Der Grüne Blackout nun als Taschenbuch!

Der Grüne Blackout - TaschenbuchMein Buch „Der grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ zeichnet in einer erweiterten Neuausgabe die Geschichte eines singulären Scheiterns gewissenmaßen in Echtzeit nach. Und es bilanziert die Schäden, in der Volkswirtschaft wie in der Natur. Das Buch zum Desaster gibt es seit dem 1. September endlich nicht nur als E-Book (bei Amazon oder direkt von meiner Seite), sondern bei Amazon auch als Taschenbuch mit 178 Seiten für 9,99 Euro. Das Taschenbuch besitzt einen unschlagbaren Vorteil: Man kann es lesen, und anschließend dem Politiker seiner Wahl ins Abgeordnetenbüro schicken.

Wenn niemand zuhört: Innenansichten über die Energiewende

Wenn niemand zuhört: Innenansichten über die Energiewende

Journalisten führen regelmäßig so genannte Gespräche „unter drei“. Der Code bedeutet: Was Politiker oder Chefs von Unternehmen und Organisationen dort sagen, darf nicht zitiert werden, auch nicht camoufliert. Also nicht einmal in der Form: „sagte ein Mitglied des Bundeskabinetts“. Wozu finden solche Gespräche dann überhaupt statt? Weil Amtsträger auch gern einmal aussprechen, was sie wirklich denken, was sie wiederum nur in einer geschützten Atmosphäre tun können, eben unter drei beziehungsweise unter vier Augen. Dem Gespräch wohnt also durchaus eine therapeutische Komponente inne. Die interessantesten, saftigsten und überraschendsten Äußerungen unter drei, die ich in den letzten zwei Jahren zu hören bekam, betrafen ausnahmslos die Energiewende. Natürlich würde ich sie liebend gern komplett zitieren. Das kann ich nicht, ohne den vertraulichen Modus zu verletzen.

catEinen kleinen Ausweg gibt es allerdings, gewissermaßen die Katzenklappe, durch die ein Journalist der Situation entschlüpfen kann, ohne zu viel preiszugeben. Und fast alle großen Medien, „Spiegel“, „Zeit“ et al. praktizieren sie irgendwann. Zu diesem Zweck verschleiern sie (und im Folgenden auch ich) die Identität der Zitatgeber bis zur Unkenntlichkeit. Nur an den Zitaten selbst ändert sich nichts. Es handelt sich also eher um eine soziologische Untersuchung zu der Frage, wie prominente und mächtige Zeitgenossen in Deutschland das Projekt Energiewende beurteilen, wenn keiner weiter zuhört.

1. Ein Vorsitzender einer großen, einflussreichen Organisation, der öfters sowohl mit Angela Merkel als auch mit Sigmar Gabriel und etlichen Abgeordneten spricht: „Die Parteien in Berlin unterscheiden sich bei der Energiewende nur durch die Grade ihres Irrsinns.“
2. Ein Unionspolitiker, der einmal zu den Wichtigen in der Partei gehörte: „Ich habe mit Angela Merkel oft über die Energiewende gestritten. Sie ist da stur bis zum ideologischen Starrsinn.“
3. Ein führender Unionspolitiker: „Mit der Energiewende ist es wie mit einem Fuhrwerk, das in eine Sackgasse fährt. Da braucht man nicht hinterherzulaufen, denn das kommt genau dort wieder heraus, wo es eingebogen ist. Von Unterhaltungswert ist nur das Wendemanöver.“
4. Ein Politiker, der sich mit Angela Merkels duzt: „Haben Sie einen Ofen? Ich meine, einen Ofen, in dem Sie richtig Holz verbrennen können? Nein? Ich habe einen Ofen, ein Grundstück, und Holzvorräte. Mir würde ein Blackout nichts ausmachen.“
5. Ein gewichtiger Sozialdemokrat in Angela Merkels Kabinett: „Die Energiewende steht kurz vor dem Aus. Die Wahrheit ist, dass wir auf fast allen Feldern die Komplexität der Energiewende unterschätzt haben. Für die meisten anderen Länder in Europa sind wir sowieso Bekloppte.“

Gut, in diesem Fall spricht nichts dagegen, den Urheber zu nennen: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Bei einem Besuch eines Kasseler Solarunternehmens rutschte ihm die Bemerkung heraus, und der Reporter einer lokalen Nachrichtenplattform sorgte für ihre Verbreitung. Gabriel dementierte sie nicht.
Mittlerweile muss er auch nicht mehr befürchten, mit seinem Urteil einsam dazustehen. Der Bundesrechnungshof veröffentlichte kürzlich einen regelrechten Verriss der Energiewende: Die Maßnahmen der Bundesregierung seien „unkoordiniert, uneinheitlich, redundant“. Den Ministerien bescheinigen die Rechnungsprüfer, dass ihnen „der umfassende Überblick über die von ihnen selbst eingeleiteten Maßnahmen fehlt“. Die Bundesnetzagentur wiederum weist darauf hin, dass der Bau von 1860 Kilometern neuer Stromtrassen, die eigentlich bis 2015 den Windstrom in den Süden transportieren sollten, gelinde hinterherhinkt. Bis heute existieren davon gerade knapp 300 Kilometer. Niemand braucht prognostische Fähigkeiten, um vorauszusehen: Auch bis 2020 steht das Leitungsnetz noch nicht, das eigentlich schon in einem halben Jahr gebraucht würde.
Der Plan wiederum, den in diesen Mengen weder benötigten noch transportierbaren Ökostromüberschuss zu speichern, zerbröselt unter den Augen der Bundesregierung. Ein Gutachten in Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersuchte vor kurzem, ob sich unter den Bedingungen der Energiewende der Bau von Pumpspeicherwerken noch lohnt. Die klare Antwort: Nein. „Die ermittelten Deckungsbeiträge werden nicht zur Refinanzierung von Neuinvestitionen in Pumpspeicherwerke ausreichen,“ heißt es in dem Papier. Andere Speichertechniken wie synthetisches Methan oder Riesenbatterien befinden sich ohnehin noch im Versuchsstadium.
Was bedeutet es eigentlich, dass fast die gesamte wirtschaftliche und politische Elite weiß, dass sich das teuerste Projekt der deutschen Nachkriegsgeschichte zu einer fulminanten Katastrophe entwickelt, dass ihre Mitglieder aber gleichzeitig glauben, sie dürften die Erkenntnis nicht laut aussprechen? Normalerweise scheue ich den Gebrauch historischer Parallelen. Aber hier passt sie möglicherweise doch ins Bild. Ich hatte mich als Journalist in den vergangenen Jahren immer wieder mit ehemaligen DDR-Funktionären unterhalten. Darunter gab es durchaus kluge, reflektierte Leute. Sie versicherten mir ausnahmslos, dass sie den Zusammenbruch ihres Staates schon lange vor 1989 vorausgesehen hatten. Auf meine Frage, warum sie dann weiter mitgemacht hätten, zuckten sie mit den Schultern. Sie sagten, sie verstünden das mittlerweile selbst nicht mehr.

Mein Buch „Der grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ zeichnet in einer erweiterten Neuausgabe die Geschichte eines singulären Scheiterns gewissenmaßen in Echtzeit nach. Und es bilanziert die Schäden, in der Volkswirtschaft wie in der Natur. Das Buch zum Desaster gibt es seit dem 1. September endlich nicht nur als E-Book (bei Amazon oder direkt von meiner Seite), sondern bei Amazon auch als Taschenbuch mit 178 Seiten für 9,99 Euro. Das Taschenbuch besitzt einen unschlagbaren Vorteil: Man kann es lesen, und anschließend dem Politiker seiner Wahl ins Abgeordnetenbüro schicken.

Die Deutschen müssen verrückt sein

Der holländische Ökonom, Klimawissenschaftler und ehemalige IPCC-Autor Richard Tol in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (Ausgabe vom 17.08.2014) :

“Für viele ist der Klimawandel zu einer Art Ersatzreligion geworden. Die Texte der Umweltbewegungen lesen sich wie religiöse Schriften, in denen Emissionsreduktionen ein Ausweis der Glaubensstärke sind…In Deutschland wird das vor allem durch die Prediger des Potsdam-Klimainstitutes betrieben…Die (deutsche) Energiewende ist ein gewaltiger Fehler. Die Unternehmen und Haushalte müssen hohe Energierechnungen begleichen, die Emissionen (von CO2 steigen trotzdem…Ich kennen internationale Wissenschaftler, die sagen, die Deutschen müssen verrückt geworden sein…Deutschland hat mit so hohen Fördersummen für Windenergie und Photovoltaik begonnen, dass es den gesamten Welmarkt durcheinander gebracht hat. Ohne diese exzessive Förderung wären Sonnenpanele eher auf portugiesischen oder spanischen Dächern gelandet und hätten mehr Sonnenertrag gebracht. Die Deutschen haben mit aller Macht eine Technik auf den Markt gebracht, die noch nicht reif ist…Deutschland hätte das ganze schöne Geld lieber für etwas Sinnvolles ausgeben sollen.”

Das klingt mehr oder weniger wie die Kurzfassung meines Buchs “Der grüne Blackout”. Die interessante Frage lautet: Wann findet sich in Deutschland ein Wissenschaftler vom Range Tols, der dasselbe feststellt? Richard Tol besitzt allerdings gegenüber vielen Klima- und Politikwissenschafts-Kollegen einen großen Vorteil – nämlich den, dass er sich als Ökonom auch für Fragen der Effzienz interessiert.

Hier, für interessierte, Links zu Richard Tols Blog und Twitter.

 

Witwenschütteln für die Weltrettung

Witwenschütteln für die Weltrettung

Wer durch München radelt, sieht ab und zu an Laternen und Bäumen kleine Flyer kleben: „Strompreis-Lügen“ heißt es vorn auf dem Faltblatt. Drinnen findet Volksaufklärung statt. Und ganz am Ende, wenn der bange Bürger auf die angegebene Webadresse klickt, wartet noch eine schöne Pointe. Aber davon später.

Neben den „Strompreis-Lügen!“ stehen auf dem Flyerpapier jeweils die passenden „Tatsachen!“; beides erinnert stilistisch an die so genannte Leichte Sprache. Leser, die auf Argumentationen und Zahlen hoffen, gehören offenbar nicht zur Zielgruppe der Lügenbekämpfer. Eine Lüge lautet beispielsweise: „Der Strompreis explodiert, die Verbraucher werden übermäßig belastet“. Und die Widerlegung: „Strom hat den kleinsten Anteil an den privaten Energiekosten. Zudem steigen die Strompreise weniger stark als die Preise für Öl, Gas und Benzin.“ So etwas nennen Psychologen Anker- und Rahmenheuristik ­­– beschwert sich jemand über eine Preissteigerung, dann weist man einfach darauf hin, dass andere Güter noch teurer geworden sind. Auf übertriebene Faktenfülle verzichten die Flugi-Autoren auch auf ihrer Webseite, etwa auf die Mitteilung, dass seit 2014 Steuern, Abgaben und Umlagen erstmals die Hälfte des Strompreises ausmachen. Und dass der größte Brocken der Abgaben, die Ökostromumlage, allein von 2011 bis 2014 von 3,59 auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde kletterte.

In diesem Modus geht es weiter: Energiearmut wegen hoher Strompreise? „Energiearmut ist die Folge einer verantwortungslosen Sozialpolitik und einer ungerechten Kostenverteilung von Reich auf Arm.“ Ungerechte Verteilung – das stimmt sogar, allerdings umgekehrt, von Arm zu Reich. Schließlich zahlt die Supermarktkassiererin in Magdeburg mit ihrer EEG-Umlage tatsächlich für die Solaranlage auf dem Villendach in Starnberg. Aber so meinen es die Strompreislügenbekämpfer ja nicht. Sondern, dass der Staat der Supermarktkassiererin durch Umverteilung an anderer Stelle helfen soll. Denn beim Windrad- und Solarpanelaufstellen, das macht das Flugblatt deutlich, geht es um nichts weniger als die Weltrettung: „Nur erneuerbare Energien helfen, zukünftige Energiekrisen und Rohstoffkriege zu verhindern und den Klimawandel zu bremsen.“

Diese und noch viel mehr schöne Erkenntnisse stammen aus dem Umweltinstitut München e. V., einem Verein, dessen Gründer klug erkannt haben, dass es sich bei „Institut“ um eine nicht geschützte, aber außerordentlich nützliche Bezeichnung handelt. Neben Strompreislügen bekämpft das Ökoinstitut nach eigenen Angaben auch Gentechnik, Mobilfunkstrahlung und den Schreckensreiter mit dem Buchstabenkürzel ­ ­– nein, nicht IS, sondern das Freihandelsabkommen TTIP. „Institut“ – das klingt schon nach mehr als „Büro“ oder „Verein“, spart aber im Zweifelsfall die teure Wissenschaft. Nirgends auf der Internetseite existiert ein Hinweis auf so etwas wie Forschungsprojekte. Aber die hält das Institutsteam vermutlich für überschätzt. In einem Internet-Video tritt der Institutsexperte für Mobilfunkstrahlung auf. Nein, konkrete Anhaltpunkte für Gesundheitsgefahren gebe es nicht, sagt er mit besorgtem Gesicht. Aber die langfristigen Folgen seien ja noch gar nicht bekannt: „Wir wissen noch viel zu wenig.“ Die Expertise des Instituts zu Gentechnik liest sich folgendermaßen: Der mit Vitamin A angereicherte „Golden Rice“, der Hunderttausende vor der Flussblindheit schützen könnte, ist „überflüssig“, denn: „Die Natur stellt auch ohne Gentechnik eine ausgewogene Ernährung sicher.“ Nach diesem Muster könnte man auch argumentieren: Wer erfolgreich darauf achtet, gesund zu bleiben, der braucht keine Medikamente.

Ganz ohne ein bisschen Wissenschaftszauber kommt der Verein für Grünlobbygeklapper und Esoterik nicht aus, weshalb er sich zusätzlich der Rettung der Bayern vor dem Atomtod widmet:

„Seit Tschernobyl untersucht das Umweltinstitut München Lebensmittel und andere Umweltproben auf radioaktive Belastung. Besonders in Süddeutschland können Waldprodukte noch hohe Cäsium-Werte aufweisen. Wir führen kontinuierliche Messungen der Außenluft durch, um den BürgerInnen bei einem möglichen Atomunfall rechtzeitig Handlungsempfehlungen geben zu können.“

Und nun zur angekündigten Pointe respektive zur entscheidenden Frage: wie finanziert sich eigentlich die kunterbunte Villa Sockenschuss e.V.? Zum einen durch die Steuerzahler, deren Geld die Landeshauptstadt München mit freundlicher Empfehlung an das Umweltinstitut weiterreicht. Zweitens durch Bußgelder, die Gerichte gewissermaßen als Zwangsablasshandel verhängen, und drittens, ganz freiwillig, durch Förderer, die im Gegenzug womöglich kostenfrei den Cäsiumwert ihrer Schwammerln aus dem Bayerischen Wald testen lassen können. Und viertens? Da kommt, so scheint es jedenfalls, eine sehr bewährte Methode zum Einsatz:

„Machen Sie sich Gedanken darüber, wie Sie Menschen oder Anliegen, die Ihnen wichtig sind, über Ihr Leben hinaus absichern können?

Mit Ihrem Vermächtnis ermöglichen Sie dem Umweltinstitut München e.V., weiterhin unabhängig für unsere Umwelt einzutreten. Bitte lassen Sie uns gemeinsam eine lebenswerte Zukunft für unsere Kinder bewahren.

Ein Testament will wohl überlegt sein. Wir kümmern uns um Ihre Anliegen diskret und persönlich. Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt.“

(http://www.umweltinstitut.org/spendenfoerdern/erbschaft.html)

Zur Illustration des Witwenschütteltextes auf der Institutswebseite dient ein durchsonnter Waldweg; darunter findet der ältere Mitbürger eine Telefonnummer und ein Foto seines künftigen Testamentsberaters. Bei ihm handelt es sich offenbar um eine Reinkarnation der geschäftstüchtigen Nonne Elisabeth aus Basel, die seinerzeit der Kabarettist Wolfgang Neuss erfunden hatte: „Schreiben Sie uns! Schreiben Sie uns auf unser Konto!“ Die Methode Weltrettung plus Klingelbeutel funktioniert seit Jahrhunderten einfach zu gut, als dass man sie nur der Kirche überlassen sollte.

Aber ob es nun am Foto des Testamentsberaters liegt oder an der starken Konkurrenz in der Weltrettungsbranche – das Ökoinstitut München teilt jedenfalls auf Nachfrage mit, dass es das „Modell der erbschaftlichen Zuwendung“ zwar anbiete, dass es aber seit der Institutsgründung 1986 „nicht in Anspruch genommen wurde“.

Möglicherweise verhalten sich die reichen Grünwalder Witwen rationaler, als man denkt.

 

Der „Grüne Blackout“ für alle

Der „Grüne Blackout“ für alle

Den Stromkunden stehen teure Zeiten bevor. Aber auch spannende. Am kommenden Dienstag urteilt der Europäische Gerichtshof, ob auch ausländische Ökostromproduzenten, die ins deutsche Netz einspeisen, die EEG-Umlage von 6,24 Cent pro Kilowattstunde beanspruchen können. Sagt der Gerichtshof Ja, dann wär das ein Sprengsatz für das gerade zusammengeflickte und notreparierte Ökoenergie-Finanzierungssystem. Und erst Recht für das Budget einer Normalfamilie, die schon jetzt über 240 Euro pro Jahr an Stütze für Grünstromproduzenten zahlt.

Gleichzeitig rutschen fast alle konventionellen Kraftwerke Deutschlands ins Minus, weil der vorrangig eingespeiste und subventionierte Ökostrom sie aus dem Geschäft drängt. Zurzeit geht es nur noch um die Frage: subventioniert in Zukunft der Staat die Kohle- und Gaskraftwerke, die zwar gebraucht werden, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, die aber zu Verlusten gezwungen werden, weil sie nur noch eine Lücke füllen dürfen? Oder übernimmt der Staat die Kraftwerke gleich selbst? So oder so: Die Vorhaltekosten für Anlagen, die nötig sind, aber kaum noch ans Netz dürfen, liegen ungefähr bei einer halben Milliarde Euro pro Gigawatt und Jahr.

Die Rechnung dafür geht an: siehe oben.

Die Energiewende beginnt also zu wirken. Und deshalb war der „Grüne Blackout. Warum die Energiewende nicht funktionieren kann“ noch nie so aktuell wie jetzt.

Ich möchte allen Interessenten den Zugang zu meinem Buch ebenen. In seltenen Fällen treten Probleme mit der Bezahlfunktion auf. Manche potentielle Leser nutzen PayPal nicht. Zögern Sie bei diesen oder anderen Schwierigkeiten nicht, mich zu kontaktieren. Zusammen mit dem technischen Support finden wir immer einen Weg, auf dem das E-Book zu Ihnen kommt.

Auch wenn Sie Fragen und Anregungen haben – ich freue mich auf Ihre Mails an: alexander (at) alexander-wendt.com.

 

Bildnachweis: Hugh Gallagher, Creative Commons

Herr Gabriel macht einen Kompromiss

Herr Gabriel macht einen Kompromiss

Tief ist der Brunnen der Vergangenheit, in den der Steuer- und Abgabenbürger gelegentlich schauen muss. Im Jahr 2005 kämpfte die SPD gegen eine drohende Merkel-Regierung, sie attackierte zu diesem Zweck vor allem die Ankündigung der Union, die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte anzuheben. Das sei den Bürgern unzumutbar. Die SPD erfand den Slogan: „Merkelsteuer, das wird teuer.“ Nach der Wahl fanden sich die Sozialdemokraten in der Regierung mit Merkel wieder, und schlossen einen historischen Mehrwertsteuerkompromiss: Der Abgabensatz stieg nicht um zwei, sondern um drei Prozentpunkte.
Diese Geschichte des hart erkämpften Kompromisses wiederholt sich gerade. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel trat sein neues Amt mit der Versicherung an, die Ökostromumlage müsse endlich einmal sinken, zumindest dürfe sie nicht weiter steigen. Die Belastung der Bürger sei hoch genug. Gerade die Sozialdemokraten müssten die Kosten der Energiewende in den Griff bekommen. Gabriel legte einen Entwurf für ein verbessertes Erneuerbare-Energien-Gesetz vor, plante hier eine kleine Begrenzung bei Windstromsubventionen und dort eine vorsichtige Kappung bei Biogas. Dann ging er in die Verhandlung mit den Bundesländern. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte sich schon vorab beschwert und mitgeteilt, er halte Gabriels Subventionsgrenze von 2500 Megawatt Windkraft für neu errichtete Räder an Land pro Jahr für „reinen Sozialismus“.

Offenbar gibt es keinen schlimmeren Vorwurf unter Sozialdemokraten. Jedenfalls vereinbarte Sigmar Gabriel nach einer abendlichen Verhandlung mit den Ministerpräsidenten im Kanzleramt einen Kompromiss: Die Ökostromumlage sinkt nicht, sie bleibt auch nicht gleich. Sondern sie steigt weiter. Wenn bestehende Windräder an Land durch größere Rotoren ersetzt werden, dann fallen sie nicht unter die ohnehin schon großzügige Deckelung für Windkraftsubventionen, sondern dürfen sich auch jenseits der 2500-Megawatt-Line aus dem Umlagetopf bedienen. Auch diese Änderung drängten vor allem die Nordländer. Und es bleibt zwar im Prinzip bei Gabriels Vorstellung, nur noch den Neubau von 100 Megawatt jährlich bei Biogasanlagen zu subventionieren. Aber: Landwirte, die ihre bestehenden Anlagen weiter ausbauen, bekommen für den Strom aus dem Pflanzengas weiter praktisch unbegrenzt Subventionen. Diese kleine Korrektur lag vor allem Horst Seehofer am Herzen. Für Betreiber von Offshore-Windkraft-Plattformen verlängerte Gabriel selbst –  ziemlich unbemerkt von der Öffentlichkeit –  den Höchstfördersatz von 19 Cent pro Kilowattstunde. An der Strombörse kostet eine Kilowattstunde zurzeit ungefähr 4 Cent;  bei jeder Kilowattstunde Offshore-Windstrom muss der Stromkunde über die EEG-Umlage also 15 Cent zuschießen. Es dürfte weltweit nicht viele Fälle geben, in denen die Subventionshöhe eines Gutes mehr als das Dreifache des Basispreises beträgt.  Liegen die Anschlusskabel für eine Rotorenplattform nicht rechtzeitig, dann zahlt der Stromkunde auch: nämlich Offshore-Haftungsumlage.

Eine ganz naheliegende Idee stand übrigens weder vor, noch nach dem Kompromiss in Gabriels Gesetzentwurf, nämlich der Gedanke, die Subventionslaufzeit für neue Windräder, Solardächer und Biogasanlagen wenigstens zu begrenzen, auf fünf oder sieben Jahre, wenn schon die politische Kraft für die Abschaffung des EEG nicht reicht.  Die Betreiber aller neuen Grünstromanlagen, die jetzt und demnächst ans Netz gehen, können sich nach wie vor über 20 neue subventionierte Jahre freuen. Die EEG-Umlage ist damit mindestens bis in die dreißiger Jahre des 21. Jahrhunderts sicher.

Und der nächste Kompromiss auch.

 

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