Journalist & Autor
Gruß ans Publikum

Gruß ans Publikum

Nach der Veröffentlichung von „Du Miststück“ hatte ich mit Reaktionen von völlig Fremden gerechnet (die bekomme ich auch), aber weniger mit so vielen Nachrichten aus der Nähe. Leute, die ich über das Netz oder andere Wege kenne, schreiben beziehungsweise erzählen mir, wie sie von ihrer Depression phasenweise unter die Oberfläche gezogen wurden. Oder ihre Lebensgefährten. Ein Kollege teilt mir mit, dass er sein Miststück Gregor getauft hat. Der Name schien und erscheint ihm aus einem nicht ganz durchsichtigen Grund zwingend. Jedenfalls erfüllt er seinen Zweck tadellos, Distanz zu schaffen.

Ein anderer, von dessen Problem ich bis vor kurzem nichts wusste, verabschiedet sich in die Klinik. Der nächste beschreibt mir, wie gut es ihm inzwischen mit einem bestimmten Medikament geht; früher, sagt er, sei er in seinen manischen Phasen ein paarmal zwangseingewiesen worden. Wahrscheinlich muss man erst ein Buch über die Depression schreiben, um zu erfahren, wie verbreitet das Phänomen ist.

Mehrere Leser sagen mir, dass sie sich mit meinem Miststück amüsieren. So soll es sein.
Meine Lieblingsvorstellung besteht darin, wie jemand das Buch in einer Klinik zu lesen beginnt, parallel zur Wirkung des Antidepressivums, und merkt, wie die Wahrnehmungsfähigkeit wieder in ihn zurückflutet.

Vor zwei Jahren lief ich in der Annahme über den Odeonsplatz, ich sei jetzt geheilt. Was natürlich falsch war. Aber ich komme jetzt beim gelegentlichen Durchkentern nicht mehr zurück in den Zustand vor der Klinik, ähnlich wie ein Skipper, der unter Wasser nicht Panik gerät, was in meinem Fall nicht nur an den Medikamenten liegt, die ich nehme, sondern hoffentlich auch an meinen erworbenen Fähigkeiten.

Das, was ich versuche, nennen Militärs aktive Verteidigung. Davon handelt im Großen und Ganzen mein Buch.

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